
| Name: Gerwin Eisenhauer Geb.: 1. Dezember 1967 Wohnort: Regensburg Credits: Studium am Drummers Collective in New York (u. a. bei Dave Weckl, Kim Plainfield, Duduka da Fonseca und Mike Clark). Gerwin spielte Konzerte und Tourneen mit Torsten de Winkel, Dave Valentin, Jay Ashby, John Davis, Lincoln Goines, Tony Lakatos, Angelika Milster, John Etheridge, Peter Tiehuis, Julio Barbosa, Monica Reed Price, Leo Traversa, Bobby Quaranta & Band, Robby Ameen, Richie Blackmore, Norbert Nagel/Jo Barnikel Quartett sowie der Frank Sinatra Tribute Big Band. Ebenso arbeitete er als Musical-Drummer für "Cabaret", "Evita", "Sugar", "Little Shop of Horrors" und die "Rocky Horror Picture Show". Als Dozent ist er an der Berufsfachschule für Jazz und Popularmusik in Regensburg für die Bereiche Drums, Percussion, Ensemble-Playing und Rhythmik tätig. Seine Dozentenqualitäten waren ebenso bei den internationalen Jazzseminaren in Weiden gefragt. 1997 ging er mit Leo Traversa auf Remo Workshoptour; 1999 gestaltete Gerwin zusammen mit Robby Ameen den "Afrocuban Rhythms for Drummers"-Workshop an der Regensburger Music Academy. Im Rahmen seiner Freelance-Arbeit war Gerwin außerdem auf vielen internationalen Festivals vertreten wie z. B. dem Internationalen Jazzfestival Ingolstadt (mit Eric Mingus), den Münchner Jazztagen, dem "New Jazz Festival" in New York, dem "Bossa Nova Festival" in Chicago, dem Jazzfestival Maribor (Slowenien), dem Internationalen Jazzfestival Rottweil und Singen sowie bei Jazz Ost-West in Nürnberg. Zu seinen Schallplattenaufnahmen zählen neben diversen Aktivitäten für den Bayerischen Rundfunk auch Produktionen mit Max Werner (Rain in May), Felicita Peters (That´s all I Want), Tom Haydn (Endlich Leben), Müller und Friends (Different Ways) sowie einige eigene Produktionen, u. a. Eisenhauer Bros. feat. Bob Quaranta (Golpeando Hiero), The Wurzelbehandlung (Standard Time in the Land of the neverending Videogames) und Gerwin Eisenhauers Acoustic Project (Favourite Tunes). Vision: ... mit Herzblut bei der Sache
Das nötige Herzblut und ein positives Nach-Vorne-Blicken sind elementare Bausteine, die auch für den Schlagzeuger Gerwin Eisenhauer einem Kollegen mit dem nötigen Augenzwinkern zu den wichtigen Fundamenten einer erfüllenden und erfolgreichen Arbeit zählen. Auf diesem Wege wird dann selbst eine "Wurzelbehandlung" zum kulturellen Ereignis. Ein Blick auf Gerwins Credits verrät nicht nur sein unglaubliches Arbeitspensum, auch die Tatsache, dass er vielfach mit amerikanischen Künstlern zu tun hat, wirft interessante Aspekte auf ...
... von 1990 bis 1992 habe ich in New York am Drummers Collective studiert. Und es ist dabei eine natürlich Sache, dass du Leute kennenlernst und Kontakte knüpfst. Wenn du in New York lebst, dann prägt dich auch dieses ganze Surrounding. Du gehst aus der Tür und hörst irgendwo in den Straßen die Clave. In New York kam ich mit Dave Valentin zusammen, in dessen Band Robby Ameen Schlagzeug spielte. Und wenn Dave in Deutschland war, tourte ich mit ihm. Eines Tages rief mich dann Robby an, ich organisierte für ihn hier noch ein, zwei Clubgigs und dann spielten wir gemeinsam mit zwei Drummern, einem Pianisten und einem Bassisten aus Havanna einige Last Minute Shows. Viele Projekte entstehen in dieser Art, dass Künstler aus den USA hier sind und deutsche Musiker für Gigs anheuern, was ganz einfach mit Kostenfaktoren zusammenhängt, denn mit einer kompletten Band und der ganzen Organisation nach Europa zu reisen ist sehr teuer. Früher hatte ich immer das Gefühl, dass man mit deutschen Musikern eher vorsichtig umging, weil es keine "Insider" waren. Aber durchs Internet, all die vielen Drummer-Schulen und die Tatsache, dass viele Musiker drüben studieren, hat sich ein intensiver Informationsaustausch entwickeln können. Demnach bist du als freischaffender Drummer in das Business einzuordnen? Neben anderen festen Engagements arbeite ich auch als Freelancer und hab jetzt endlich mal 2 CDs unter eigenem Namen fertiggestellt. Das eine Projekt nennt sich The Wurzelbehandlung, wir spielen Jazz Standards, die sozusagen durch den elektronischen Reißwolf gedreht wurden, so dass sich Tendenzen in Richtung Drum n Bass ergeben. Meine Idee war es, klassische Jazz-Tunes in einer Weise aufzunehmen und darzustellen, die heutigen Auffassungen und Interpretationen entspricht. Ich glaube auch, dass manche Kompositionen ursprünglich witzig gemeint waren, insofern passt der Bandname The Wurzelbehandlung sicherlich gut ins Bild. Und dann hab ich noch das Eisenhauer Acoustic Project, was für mich ein Ausgleich allen Schaffens bedeutet. Es ist ein akustisches Programm mit Latin-, Pop- und Brasil-Sachen, das ich mit guten Freunden wie Norbert Nagel von der Rias Big Band, dem Bassisten Christian Diener und der Sängerin Lisa Wahlandt sowie meinem Bruder an der Gitarre realisiert habe. Hier geht es um handgemachte Musik, wohingegen The Wurzelbehandlung auch bei Livegigs mit Sequenzern arbeitet. Welchen anderen festen Jobs widmest du dich? Seit einigen Jahren arbeite ich mit einer gewissen Regelmäßigkeit als Musical-Drummer am Stadttheater in Regensburg. In Hof hab ich für die Sugar-Produktion gearbeitet und zur Zeit läuft Cabaret. Das Musical-Business ist eins meiner anderen Standbeine. Das hört sich nach viel Zeitaufwand an. Für den Anfang der Produktion bis etwa zur Premiere trifft das auf jeden Fall zu. In dieser Zeit etwa zwei Wochen - kommst du aus dem Theater so gut wie nicht mehr raus. Aber dann spielst du 8 bis 10 Vorführungen im Monat und das über einen Zeitraum von drei Monaten. Mindestens ein Jahr vorher kennst du bereits die Termine und so was ist völlig ok, außerdem machst du damit ein ganz gutes Geld. Ebenso kannst du einen Sub mit einarbeiten, allerdings bist du als Hauptschlagzeuger dann für alles verantwortlich. Die Einarbeitung muss perfekt sein, was nicht immer einfach ist, zumal das Notenmaterial in den meisten Fällen unbrauchbar oder gar unlesbar ist. Bei Evita z.B. werden keine einzelnen Songs gespielt, da das Musical wie eine Oper aufgefasst wird und lediglich in zwei Akte unterteilt ist. Und beide Teile sind vollgespickt mit klassischen Elementen, vielen ungeraden Geschichten, 7/8-Teilen usw., und wenn du genau das spielen willst, was in den Verlagsnoten steht, dann wird es ganz furchtbar klingen. Man kann das mit schlechten Big Band Charts vergleichen, bei denen man lieber weglässt als alles spielt. Daher das Problem mit Substituten, die genau vorbereitet sein müssen. Spannend ist auch, dass manches nicht eingezählt werden kann, und dennoch muss die ganze Band auf Zeichen des Dirigenten synchron einsetzen - und das natürlich im richtigen Tempo! Darüber hinaus bist du ja auch Dozent. Wie sieht es in diesem Bereich aus? Ich habe eine Dozentenstelle am Music College, der privaten Berufsfachschule für Jazz- und Popular-Musik in Regensburg. Nach einer zweijährigen Ausbildung und dem erfolgreichen Abschluss kann man ein drittes pädagogisches Jahr anhängen und hat damit die Befähigung, an städtischen Musikschulen zu unterrichten. Meine Unterrichtsbereiche sind Schlagzeug, Rhythmik und Percussion elementar. Dieser Elementarbereich ist meiner Ansicht nach ein wirklich wichtiger Part auch für Gitarristen oder Bassisten, um typische Pattern traditioneller Percussion-Instrumente kennenzulernen. Denn es ist leichter einen richtigen Samba-Bass zu spielen, wenn man weiß, wie das Surdo-Pattern funktioniert. Gerade das Phrasing oder der Approach kann sich viel stilsicherer entwickeln. Meiner Erfahrung nach gibt es Menschen mit einem natürlichen Gespür für Instrumente. Ich glaube aber schon, dass es Talente gibt, was man an der Schnelligkeit des Lernens erkennen kann. Aber unter den Schnellen gibt es auch wieder solche, die nicht so richtig tief lernen. Die können alles sofort nachspielen, bleiben aber immer an der Oberfläche. Als Schüler lernt man sein Vokabular in Form von Rudiments, so wie ein Kind Silben lernt. Dann kommt die Verteilung zum Beispiel eines Six Stroke Rolls, was vielleicht mit der Bildung eines Wortes zu vergleichen ist. Später kennt man viele Worte, weiß diese aber nicht in einen sinnvollen Satz umzuwandeln. Und genau dieses Kreieren interessanter Verbindungen macht meiner Meinung nach einen guten Drummer aus. Aber nicht jeder, der am meisten und schnellsten spricht, gibt auch das Interessanteste von sich oft ist es umgekehrt. Das Vokabular in eine eigene Sprache umzuwandeln ist beim Unterrichten eine der schwierigsten Angelegenheiten überhaupt. Ich kann niemandem erklären, wie er sprechen soll. Um sein Einkommen zu sichern, muss man sich als freischaffender Schlagzeuger auch um die Akquise kümmern. Wie organisierst du dieses? Bei mir ist es nicht unbedingt ein bewusstes Planen. Als ich mit dem Studium fertig war, hab ich ein bisschen Unterricht gegeben und versucht, selber was aufzumachen. Das führt dann dazu, dass dich die Leute hören und auf dieser Plattform entwickelt sich dieses Kennenlernsystem. Ich geh´ ja selber auch auf Konzerte und hör mir andere Musiker an, die ich wiederum dann anrufe, wenn ich sie für meine Projekte interessant finde. Damals war ich ziemlich im Latin-Jazz Bereich "gelabelt" und grundsätzlich wurde ich gebucht, wenns um einen Latin- oder Brasil-Gig ging. So ruft man sich gegenseitig an und es entsteht ein Netzwerk. Trotzdem musst du immer selber aktiv sein und darfst nicht darauf warten, dass man etwas für dich tut. Muss man sich teils auch anbiedern? Nein, sowas ist mir völlig fremd. Wenn ich etwas unternehme, dann habe ich auch ein Ziel vor Augen und es geht darum mit Musikern Gigs oder eine kleine Tour zu spielen. Vielleicht bin ich in dieser Beziehung auch ein bisschen lazy. Die Amerikaner sind da anders und drücken dir beim Hallo sagen schon ihre Visitenkarte in die Hand. Die haben ein ganz anderes Geschäftsbewußtsein, wahrscheinlich aufgrund der unglaublichen Konkurrenz dort. Ich bin da etwas anders organisiert und verlasse mich nicht lediglich auf Livejobs, sondern habe dafür gesorgt, meine Standbeine zu verteilen. Ich will nicht immer nur unterwegs oder auf Tour sein müssen, um überleben zu können. Insofern bin ich mit dem Dozentenjob und der Musical-Geschichte sehr glücklich. Spielt die stilistische Vielseitigkeit heutzutage eine große Rolle? Ich halte es für wichtig, möglichst breitgefächert arbeiten zu können. Es sei denn, man kann eine Sache sooo wahnsinnig gut, dass man zu den ganz wenigen Unerreichbaren gehört. Aber dafür muss man eigentlich in einer musikalischen Kultur aufgewachsen sein. Wir in Deutschland kriegen ja immer alles ein bisschen Second-Hand mit, insofern bleibt vieles oft nur eine Kopie. Obschon ich auch Jazz und Pop gespielt habe, wurde ich oft mit Latin in Verbindung gebracht. Und wenn du diesen einen Ruf hast, dann musst du aktiv werden und selber Gigs ausmachen um zu zeigen, dass du auch andere Sachen kannst. Nur dasitzen nutzt nichts! Der Anspruch an den Schlagzeuger heute ist sehr, sehr hoch. Man braucht Flexibilität, die menschliche Komponente zeugt nicht immer von Verbindlichkeit und das Arbeiten gestaltet sich vielfach unter schwierigen Bedingungen. Vergleichbar mit dem Ingenieurberuf, in dem in bestimmten Sparten gearbeitet wird, sieht die berufliche Anforderung an den Drummer doch wesentlich komplexer aus. Nun, die Sache Musik geht auch sehr viel tiefer als die Inhalte der meisten anderen Berufe. Musik funktioniert erst mit dem Herzblut, das du da rein steckst. Als Schlagzeuger ist man in gewisser Weise auch ein bisschen wahnsinnig, weil man unzählige Stunden übt und als Jugendlicher eben nicht mit Freunden ins Freibad geht, sondern in einem stinkenden, ekligen Proberaum ohne Tageslicht irgendwelche absurden Übungen absolviert. Ein gewisser Hang zum Wahnsinn ist wohl auch die Voraussetzung dafür, die Hälfte deines Lebens viel weniger Geld zu verdienen als ein Ingenieur. Das sind Sachen, die nicht von vernunftbedingtem Handeln zeugen. An der Musik ist scheinbar irgendwas dran, das uns weitermachen lässt. Musik kann man nicht "geschäftsmäßig" betrachten: Musik bedeutet Leidenschaft! Ich hab meine ganzen Wünsche, meine Kindheit und Jugend zum Beruf gemacht. Das ist ein totales Privileg. Insofern bin ich sehr zufrieden und glücklich. Interview und Fotos: Tom Schäfer equipment Regular Kit Drums: Troyan
Cymbals:
Percussion: LP Footclave
Drums: Sonor
Cymbals:
Hardware: Pearl Sticks: Vic Firth SD4 Combo
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