Zach Danziger

Zach Danziger ist gerade noch Twen, 29 Jahre alt, um genau zu sein, und trotzdem ist er schon ein alter Hase, was das Drum-Business angeht. Im Sommer war er mit seinem eigenen Projekt im Rahmen der "Pop-Komm" zu erleben: Boomish ist die Band von Bassist Tim Lefebvre und Zach – auf Drum’n’Bass spezialisiert. Eigentlich kennt man bei dieser Musikrichtung Bass und Schlagzeug aus dem Sequenzer, aber die beiden Jazzmusiker bewegen sich seit ein paar Jahren in den schweißtreibenden Rhythmen von Drum’n’Bass und Jungle. Die Europapremiere im Kölner Stadtgarten, die außer der Rhythmusgruppe weitere illustre Musiker wie Jim Beard (Keyboards), Bill Evans (Saxophone), Till Brönner (Trompete) und DJane Jessi auf der Bühne vereinte, wurde vehement gefeiert.

Nicht nur die Grooves und Loops sind hörenswert, sondern auch die Samples. Tim und Zach klauen gnadenlos alles, was ihnen ins Konzept passt: Alte amerikanische Comedy-Shows, zu recht vergessene Platten und mitgeschnittene Telefonate mit Freunden, vor nichts schrecken sie zurück. Mit "Clearance Sale" (ESC/EFA) ist ein Teil des New Yorker Wahnsinns auf CD erschienen – ein Grund mehr, sich das ehemalige Trommler-Wunderkind näher anzusehen.

 

Zach, du bist vor vielen Jahren als neues Trommelwunderkind gefeiert worden, als du mit gerade mal 16 Jahren in der New Yorker Szene aufgetaucht bist. Wie bist du zum Schlagzeug gekommen?

Ich weiß nicht mehr genau, was mich zum Schlagzeug gebracht hat. Meine Mutter hat gesungen, so Nachtclubsachen, und mein Vater war Pianist und hat sie begleitet. Ich habe die Shows auch oft gesehen. Ich liebte den Drummer und saß immer bei ihm. Mein Onkel war Trommler, er hat für Gloria Gaynor gespielt, und den habe ich auch immer beobachtet. Mit sechs habe ich schon mal angefangen, zu trommeln. Ich habe mit den Kassetten meiner Mutter mitgespielt, da gibt es auch ein Video davon ...

... und ich habe damals schon die Instrumentierung auf dem Schlagzeug verstanden. Mit sieben hatte ich meinen ersten Unterricht. Inzwischen habe ich selber viel unterrichtet und kenne mich ein bisschen aus – der Lehrer damals sagte, dass meine Hände zu klein wären. Offensichtlich hatte er keine Lust auf kleine Kinder. Mit elf habe ich dann wieder angefangen, und dieser Lehrer war dann klasse. Er verlangte von mir, dass ich die Trommel auf eine ganz bestimmte Art und Weise schlage. Als Kind habe ich diese Genauigkeit gehasst, aber heute profitiere ich davon und gebe es auch an meine Schüler weiter. Du kannst eine Trommel hart anschlagen und den Stick fast darauf liegen lassen, das klingt nicht, aber wenn du den Sound aus der Trommel ziehst und den Stick zurückfedern lässt, dann klingt es gut. Beim Klavier würde man wohl von Touché sprechen. Als Kind saß ich dann an meinem Pad, was ich gehasst habe, und mein Dad hat aufgepasst, dass ich alles richtig gemacht habe. Mit 12 bin ich ans New Yorker "Drummers‘ Collective" gegangen und hatte bei verschiedenen Lehrern Unterricht.

Der Drummer, der mein Leben – und auch von vielen anderen – komplett verändert hat, war Dave Weckl. Ich habe ihn mit der Chick Corea Band gehört, als ich 14 war. Da war ich gerade sehr gelangweilt von meinem Schlagzeugunterricht. Ich habe nur die Übungen gesehen, und das große Bild "Musik" war verschwunden. Ich habe sogar darüber nachgedacht, aufzuhören. Ich hatte zu viel in der Schule zu tun, ich habe das Üben gehasst, ich habe es gehasst, unvorbereitet in den Schlagzeugunterricht zu gehen ...

... wie bist du überhaupt auf Drum’n’Bass gekommen?

Ich habe 1996 ein Tape von einem Freund aus England bekommen, und ich fand die programmierten Sachen interessant, obwohl es nicht mal besonders gut war. Ich habe mich mehr umgehört und habe dann einfach mal versucht, Drum’n’Bass zu spielen.

Die schnellen Rhythmen zu spielen, ist vermutlich viel anstrengender als "normale" Gigs.

Auf alle Fälle! Das Schnelle ist nicht mal das Problem, sondern das Konstante in den Rhythmen. Du musst wie auf der Platte spielen. Fusion basiert, auch wenn es viele Noten gibt, auf linearem Schlagzeugspiel, du teilst die Noten auf die rechte und linke Hand auf. Keine Hand spielt durchgehend. Bei Drum’n’Bass geht alles durch, da verkrampfen die Hände sehr schnell.

Hast du extra Übungen für die Kondition?

Ich wünschte, ich hätte welche! (lacht) Vielleicht sollte ich joggen gehen. Ich bin in schlechter körperlicher Verfassung, seit ich viel programmiere. Du sitzt vor dem Computer, lässt dir eine Pizza bringen, damit du weiterarbeiten kannst. Ich habe seither 30 Pfund zugenommen. Live-Konzerte helfen, Kilos zu verlieren. Nach einer Zwei-Wochen-Tour wäre ich wieder dünn! Hoffentlich kriegen wir eine Tour – vielleicht eine Art "Weight Watchers"-Tour mit den "Vorher" und "Nachher"-Fotos! n

 interview: angela ballhorn | fotos: petia chtarkova

EQUIPMENT

Drums: Yamaha

  • Maple Custom Absolute
  • 20" x 16" Bassdrum
  • 10" x 7,5" Tom
  • 14" x 14" Floor-Tom
  • Snaredrums: diverse
  • 14" x 5 1/2" Steel
  • 13" x 5" Fiberglas
  • 10" x 4" Peter Erskine
    Signature (Maple)

Cymbals: Zildjian

  • 12" Re-Mix Hi-Hat
  • 13" Re-Mix Jungle Hi-Hat
  • 14" Re-Mix Crash
  • 16" Re-Mix EFX
  • 18" Re-Mix Breakbeat Ride
  • 17" Oriental Crash
  • 20" Oriental Crash of Doom

Electronics: Yamaha

  • A4000 Sampler
  • RM1X Sequencer
  • DTX Trigger Interface
  • SU700 Sampler

 ON TOUR MIT TILL BRÖNNER

Im Oktober und November 2000 sind Zach Danziger und Tim
Lefebrve als Rhythm-Section
der Band von Till Brönner in Deutschland live zu erleben:

  • 27.10. Neunkirchen
  • 28.10. Offenburg, Jazzclub
  • 29.10. Mannheim, Festival
  • 30.10. Baden-Baden
  • 31.10. Gaggenau
  • 01.11. Lüneburg
  • 02.11. Hildesheim, Vier Linden
  • 03.11. Kassel, Festival
  • 04.11. Marburg, KFZ
  • 05.11. Leipzig, Werk 2
  • 06.11. Berlin, Wühlmäuse
  • 07.11. Düsseldorf, Zakk
  • 08.11. Darmstadt, Centralstation
  • 09.11. München, Schlachthof
  • 10.11. Aalen, Festival
  • 11.11. Friedrichshafen, Club

 AUSWAHL-DISCOGRAFIE

  • Blüth – "Blüth" (Kineticsurge)
  • Boomish – "Boomish" (Kineticsurge)
  • Boomish – "Clearance Sale" (ESC)
  • Chuck Loeb – "Balance", "Lifecolors",
    "Mediterranean", "The Music Inside" (DMP)
  • Wayne Krantz – "Long To Be Loose",
    "Two Drink Minimum" (Enja)
  • Jim Beard – "Advocate" (ESC)
  • Till Brönner – "Chattin' with Chet" (Verve)
  • Uri Caine – "The Goldberg Variations"
    (Winter & Winter)
  • Larry Coryell – "I'll Be Over You" (CTI)
  • Bill Evans – "Touch" (ESC)
  • Dave Fiuczynski – "Jazz Punk" (EFA)
  • Donald Harrison – "The Power of Cool" (CTI)
  • David Holmes – "Bow Down To The Exit Sign" (Go Beat)
  • Intrigue – "Acoustic Soul" (Universal)
  • Walt Mink – "Goodnight" (Deep Elm)
  • Primal Scream – "XTRMNTR" (Sony)
  • Leni Stern – "Closer To The Light" (Enja)
  • Michael "Patches" Stewart – "Penetration" (Hip Bop)

Außerdem spielte Zach Danziger Drums u. a. für Randy Brecker, Paquito D'Rivera, Michel Camilo, Chaka Khan, Jeff Lorber, Herbie Mann, Bob Mintzer und Vernon Reid.

 

Das vollständige Interview lesen Sie in der STICKS-Ausgabe 11.2000, erhältlich im Zeitschriftenhandel und guten Musikfachgeschäften ab dem 27. 10. 2000

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