
| Genie und Wahnsinn liegen oft eng beieinander.
Damit sei hier keine subtile Andeutung gemacht und doch ist die Frage durchaus erlaubt, ob
es schier mit Hexerei zu tun hat, was uns das Schlagzeug-Genie Virgil Donati da beschert.
Der Mann aus Los Angeles zählt zu den akut begehrten Studio-, Tour- und auch
Workshop-Drummern des artifiziellen Genres. Seine High-Speed Double-Bassdrum-Figuren sind
raketenschnell, während die metrischen Überlagerungen seiner orchestralen
Drum-Sound-Landschaften eine hochqualifizierte Synapsentätigkeit mit gewissen an Wahnsinn
grenzende Tendenzen vermuten lassen. Virgil Donati zeigt was er kann, mit jeder Faser, in
jedem Moment und zieht dabei die Fans in sein magnetisches Kraftfeld, egal an
welchem Ort dieser Erde er auftaucht. Ende des Jahres 2001 tourte er mit Gitarrenvirtuose
Steve Vai quer durch Europa und von Kontinent zu Kontinent. Am 1. Dezember, einem Day Off,
flog er von Amsterdam nach Stuttgart, um eine seiner berühmt-berüchtigten Clinics im
dortigen Drum Department abzufackeln. Auf Einladung von Schulleiter Stefan Schütz waren
wir vor Ort und baten den Sticktwirler bei Pasta und Mozzarella zum Gespräch. Die Fotos
entstanden beim Soundcheck des Steve Vai Konzerts in Köln.
Worin liegt deine Antriebskraft, diese Kunst eines Hochleistungs-Drummings zu kultivieren? Suchst du nach den eigenen Grenzen, oder hat dies mit der Erforschung dessen zu tun, in wie weit der Mensch in der Lage ist, motorische Fertigkeiten innerhalb komplizierter Bewegungsabläufe zu kontrollieren? In mir lebt eine gewisse Rastlosigkeit und die ständige Suche nach dem Neuem. Aber die Frage nach dem Grund ist gleichzusetzen mit der Fage, warum der Mensch überhaupt etwas tut. Warum malte Rembrandt? Was trieb van Gogh dazu, seine Bilder genau so und nicht anders zu malen? Nun, van Gogh schnitt sich selbst ein Ohr ab. Nährt sich die Kunst ein Stück weit vom Wahnsinn? Schlagzeugspielen kann wirklich eine Art der Besessenheit sein, und ich spüre in mir das Verlangen, stets Neues entdecken zu müssen. Mein Naturell entspricht keiner Oberflächlichkeit, daher geht es mir nicht darum, etwas nur zu erledigen, sondern eine Arbeit zu perfektionieren. Das kann verdammt anstrengend werden, und du erlebst dabei auf deinem Weg eine Menge Frustrationen. Aber ich hab nie locker gelassen, immer Ziele vor Augen gehabt, so dass unterm Strich die Freude an meinem Beruf absolut überwiegt. Musikmachen und Schlagzeugspielen ist ein Gewinn für mein Leben. Für mich heißt Weiterkommen in meiner Arbeit nicht, große und umwerfende Taten zu vollbringen. Vielmehr sind es die Details, die im Kleinen etwas bewirken. Solange du inspiriert bist, zehrst du auch von der Motivation und hast damit den Antrieb, weiter zu machen. Ich bin ein sehr motivierter Mensch, kein abwartender Typ, sondern gehe nach vorne und suche die Herausforderung. Und das Schlagzeug gibt mir die Möglichkeit genau so zu leben. Das Entdecken neuer Dinge sehe ich als Appell an meine eigene Unzufriedenheit. Ich habe keine Lust, stehe zu bleiben und immer dieselben Sachen zu machen. Ist die Suche nach dem Extremen womöglich der Grund, warum du nicht zu den typischen Session-Drummern zählst. Kannst du einem Two and Four"-Backbeat noch Spannung abgewinnen? Das ist nicht der Grund, ich hab viele solcher Gigs gespielt. Auch zur Zeit bei der aktuellen Arbeit mit Steve Vai gibts einige Titel, die vom Schlagzeug sehr relaxed aufgefasst werden .... ... aber es ist doch ein gewaltiger Unterschied, Schlagzeuger eines Popacts zu sein, oder mit einem exorbitanten Steve Vai zu touren. In seiner Band kocht das Adrenalin geradezu über, und jeder Musiker wird mit komplizierten Highspeed-Eskapaden bis aufs Äußerste gefordert. Bei Steve kann ich Kunst machen, genauso aber sind auch einfache Basic Grooves Teil der Show. Man darf nicht vergessen, dass es eine große Kunst ist, einfache Grooves zu spielen und damit ein gutes Feeling rüberzubringen. Ich kann ja nicht 90 Minuten nur Kapriolen abfackeln. Denn der einfache Pinselstrich eines wunderbaren Gemäldes bedarf ja auch nicht der komplexen Struktur vieler Farben. Das selbe gilt fürs Schlagzeugspielen. Ich hab großen Spaß daran Popgigs zu spielen, denn dort gibts enorm wichtige Dinge zu erfüllen, die in der Herausforderung von Dynamik oder interessanten Fill-Ins meine Persönlichkeit auch in diesem vermeintlich einfachen" Rahmen mit Sicherheit zum Ausdruck bringen. Ich bin ja nicht der Typ, der nur auf Technik und Odd Times abfährt. Es kann natürlich sein, dass ich hier in Deutschland als Pop-Drummer unbekannt bin, aber in Australien habe ich durchaus diesen Ruf ... ... worin siehst du die Herausforderungen des Schlagzeugspielens? Die Herausforderung wurzelt in der Erkenntnis,
dass es immer wieder neue Ziele gibt. Ich habe einen hohen Anspruch an meine
Expressivität, ich will Energie abliefern und die Was ist für dich ein guter Groove? Wichtiges Element eines guten Grooves ist perfektes Timing. Es ist der entscheidende Puls, der mit der Kraft aus Dynamik und Spieltechnik fließen muss. Ein guter Groove hat Intensität und nicht unbedingt viele Noten, obschon ein dichtes Gefüge auch grooven kann. Groove muss man spüren, es ist keine Technik die man jemandem beibringen kann. ... ... glaubst du dass ein Talent angeboren ist? Gibt es das Drummer-Gen? Ich glaube, es gibt das Künstler-Gen, denn so manche besitzen diese kreative Ader. Also gibt es auch Schlagzeuger, die diese Natur in sich haben. Und sie sind dann auch in der Lage, ihre Fähigkeiten auszudrücken, daraus Erfolg zu machen, ihre Kräfte zu nutzen. Es wird immer Menschen geben, die etwas bestimmtes besser können als andere. Mozart zum Beispiel war das geborene Genie. Nur leider hat nicht jeder die Fähigkeit, diese Gabe in sich auch zu entdecken. n interview±fotos tom schaefer
Das vollständige Interview lesen Sie in der STICKS-Ausgabe 02.2002; erhältlich ab dem 25. 01. 2002 im Zeitschriftenhandel und in guten Musikfachgeschäften.
Discografie
Videografie
Website
Virgil donati Tour setup Drums: Premier Genista Serie, Silver Sparkle Finish
Cymbals: Sabian
Hardware: Premier Pedale:
Felle: Remo
Sticks: Vater
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