Mike Gomezz Gommeringer

Mit „Supergirl" kam der Erfolg über Nacht. Als Reamonn Anfang des Jahres 2000 auf Tour ging, dachte man nicht im Traum daran, dass die Hallen bald aus allen Nähten platzen würden. Die Erfolgsgeschichte der Band und insbesondere die des Schlagzeugers Mike Gommeringer wirft so ziemlich alles über den Haufen, was kritische Geister als normale Zukunftsvision einem nach Erfolg strebenden deutschen Popact prognostizieren.

Bei Gomezz war eben alles anders, sein Werdegang, die nicht geplante, aber mittlerweile zum Selbstläufer gewordene Karriere des Profi-Drummers und nicht zuletzt die intuitive Art des Trommelns, die Gomezz Groovestyle in einer besonderen Weise herausstellt. So richtig zum Schlagzeugspielen kam er nämlich erst durch Reamonn, genauer gesagt 12 Monate vor Veröffentlichung der ersten Single, die sich flugs in den Deutschen Charts etablierte und damit Goldstatus erreichte. Wusste man im Vorfeld vielleicht doch um den einschlagenden Erfolg? Oder warum ließ sich Gomezz auf das Wagnis ein, nachdem er das Schlagzeugspielen schon mehrfach in den Wind geschrieben hatte, auf eine Zeitungsannonce des Sängers Rea Garvey zu antworten?

Viele Fragen – und vor allem auch jene nach dem von Reamonn initiierten „Saving an Angel"-Projekt – haben uns lange beschäftigt, und nun konnten wir sie bei einem Gespräch endlich loswerden, das wir anlässlich des aktuellen Reamonn-Albums „Dream No. 7" mit Mike Gomezz Gommeringer führten.

 

Das neue Album wurde in Umbrien aufgenommen. Was war der Grund, diese außergewöhnliche Location auszuwählen?

In den letzten Monaten waren wir völlig zugeschüttet mit Konzerten, Promos, Videodrehs, Fernsehgigs und Radioterminen. Da hast du keine Chance mal in Ruhe Songs zu schreiben. Es war uns ganz wichtig, dass ein Jahr nach Veröffentlichung unseres Debüts „Tuesday" ein zweites Album rauskommt. Denn niemand kann mehrere Jahre mit nur einer Platte touren.

Also sind wir zunächst zwei Wochen in die Toskana gefahren; Rea hatte dort eine gute Adresse und wir mieteten uns ein Haus, um ganz relaxed an neuem Material zu arbeiten. Italien deshalb, weil du nicht der Versuchung unterliegst, eben doch mal schnell ein Interview zu geben. Es ging halt um Abstand zu gewinnen, und dazu hatten wir einfach Glück mit unserer Wahl, ein nettes Dorf mit Spaghetteria in einer tollen Gegend zu finden. Wir haben jeden Abend in Pasta und Rotwein geschwelgt. Zum Abschluss unserer Zeit gab’s auch noch ein kleines Konzert für die Dorfbewohner.

Erst im Nachhinein wurde uns klar, dass wir eine inspirierende Phase hatten. Die Songs sind aus uns richtig herausgesprudelt. Während dieser Zeit schauten wir uns ein Studio in Umbrien an, gar nicht weit von unserem Probeort. „El Mulino" entfernt ist ein superschönes kleines Studio mit Gästezimmern, toller Küche und sogar einer eigenen Köchin. Das hat uns so gut gefallen, dass wir spontan entschieden, „Dream No. 7" dort aufzunehmen. Unsere erste Platte ist ja in England entstanden und für die zweite wollten wir ein bisschen mehr Sonne haben. Das war dann perfekt. Die Guide-Spuren und alle Schlagzeugparts wurden allerdings vorab in Belgien im GUM Studio eingespielt. Dort hatten wir einen wunderbaren Live-Raum zur Verfügung.

Unter Live-Raum verstehe ich einerseits eine gute Raumakustik, aber auch die entsprechende Umgebung, um mit der Band live einzuspielen ...

... genau, wir haben zuerst zusammen gespielt, dann hab ich noch ein paar Takes alleine gemacht. Wir haben versucht so viel wie möglich live einzuspielen. Das entspricht unserer Philosophie und auf diese Weise klingen die Songs viel frischer. Außerdem haben wir keine Lust, Monate im Studio rumzuhängen und uns mit ProTools alles zuzutexten. Der Rest der Platte wurde dann in Italien gemacht. Insgesamt haben wir vier Wochen an „Dream No. 7" aufgenommen ...

... ein sehr wichtiges und großes Band-Thema ist die Stiftung „Saving an Angel", die ihr zusammen mit UNESCO ins Leben gerufen habt.

Helfen zu wollen ist Teil unserer Lebens- und Band-Philosophie. Wir haben von Anfang an gesagt, wenn wir die Möglichkeit haben zu helfen, dann packen wir das auch richtig an. Unser Gedanke war, einen gewissen Prozentsatz unserer Einkünfte an karitative Einrichtungen abzugeben. Reamonn hat immer schon viele Benefiz-Veranstaltungen gespielt. Einmal haben wir zusammen mit Mercedes Benz und SWR 3 ein Krankenhaus krebskranker Kinder in Russland unterstützt. Wir waren vor Ort und erkannten, dass es eigentlich wenig Sinn macht, nur einmal etwas zu tun. Eine solide Unterstützung braucht Langfristigkeit, und da war die Idee der Stiftung geboren.

Ein solches Projekt aufzubauen verlangt viel Arbeit, denn für eine Stiftung brauchst du Startkapital, einen Vorstand, einen Anwalt und viele andere Dinge. Damit mussten wir uns erst mal auseinandersetzen. Mit der Stiftung „Saving an Angel" ist nun ein Pool geschaffen, der von Zinserwirtschaftung, regelmäßigen Finanzinputs und Spenden monatlich gespeist wird. Mit diesem Kapital können zur Zeit zwei Projekte unterstützt werden, einmal Dunkelziffer e.V., die sich um Kinder und Jugendliche kümmern, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind und zum Anderen auch das Krebs-Kinderkrankenhaus Minsk.

Unter www.savinganangel.com findet man alle Informationen zur Stiftung, den Projekten und allen Hintergründen. Aber es gehört auch zu unserem Anliegen, möglichst viele Leute von unserer Idee zu überzeugen. Man muss die Missstände auf den Punkt ansprechen, denn zu viele Menschen gucken immer noch weg, gerade bei Kindesmissbrauch. Wir reden über solche Themen und versuchen sie in die Köpfe der Leute zu bringen. Das alles ist eine große Sache mit großem Ernst. Wir stehen in der Öffentlichkeit und haben daher die Möglichkeit, etwas zu bewegen. Das ist sinnvoller als Schlagzeilen zu machen, weil man wieder irgendein Hotelzimmer zerschlagen hat.

Mit dem Erfolg von Reamonn haben wir unsere Träume verwirklicht, unser Leben läuft in glücklichen Bahnen. Aber es gibt sehr viele Menschen bei denen es anders aussieht. Und das haben wir nie aus den Augen verloren.

Interview und Fotos: Tom Schaefer

 

Das vollständige Interview lesen Sie in der STICKS-Ausgabe 03.2002; erhältlich ab dem 22. 02. 2002 im Zeitschriftenhandel und in guten Musikfachgeschäften.

 

EQUIPMENT

Drums: Yamaha Maple Custom Absolute Silver Sparkle Finish

  • 10" x 9" Tom
  • 12" x 10" Tom
  • 14" x 14" Floor-Tom
  • 16" x 16" Floor-Tom
  • 22" x 16" Bassdrum

Snaredrums: Yamaha

  • 14" x 7" Elvin Jones Snaredrum
  • 14" x 6" Anton Fig Snaredrum
  • 10" x 5" Stage Custom Snaredrum

Cymbals: Meinl Amun

  • 14" Amun Medium Hi-Hats
  • 17" Amun Medium Crash (alternativ: 17" Amun Powerful Crash)
  • 18" Amun Medium Crash (2)
  • 20" Amun China (alternativ: 18" Amun China)
  • 21" Custom Shop One of a Kind Ride


Hardware: Yamaha 800er Serie

Pedale: Yamaha

  • FP 850 Bassdrum-Pedal
  • HS 830 Hi-Hat

Sticks: Kit Tools 5B (alternativ 2B)

Felle: Aquarian

  • Bassdrum: Force 1 Clear mit Kick-Pad
  • Toms: Response 2 Clear (live)
  • Classic Clear (Studio)

Snaredrums:

  • Elvin Jones: Texture Coated Power Dot
  • Anton Fig: Hi-Energy
  • Stage Custom: Texture Coated

Percussion: Schlagwerk (u.a. Cajon)

Monitoring: Hearsafe BigPhones Kopfhörer plus Ohrstöpsel

 

websites:

 

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