
| Geb.: 27. Dez. 1965 Wohnort: Nussloch Ausbildung: Mit 17 Unterricht klassische Perkussion, Klavierausbildung, Besuch der Musikschule in Heidelberg, 1989 1993 Studium an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Credits: 9 CDs mit The Busters, CD Live and Pure" mit Me & the Heat Aktuelles und Bands: Me & the Heat, The Busters, Lehrer an der Musikschule Rauenberg, Privatdozent Keine Trendorientierung und schon gar nicht der Anspruch intellektueller Unterhaltung" bildet hier die Keimzelle einer hitzigen Musik, die einzig aus ihrem Spaß heraus zum kultigen Event für ganze Generationen geworden ist: The Busters tun das, was die Laune zulässt. Auch wenn der Ska seinen populären Zenit vor rund zwei Jahrzehnten schon überschritt, so scheint die Abnabelung vom 80er Mainstream" mehr als gut überstanden. Ausgedehnte Tourneen und ausverkaufte Hallen beweisen den reinkarnierten Akut-Zustand, und die Plattenfirmen geben sich bei den Busters sozusagen die Klinke in die Hand. Drummer Stefan Breuer ist jener Typus Schlagzeuger, der mit trommelnder Urgewalt die Gesetzmäßigkeiten dieser elektisierenden Off-Beat-Musik lebt. Was ein Drummer zu sagen hat, der nur aus Spaß" bei den Busters anfing, mit ihnen durch Europa und die USA tourte, und darüber hinaus auch noch die Partyknaller Band Me & The Heat motorisiert, das wollten wir unbedingt mal in Erfahrung bringen. Die Geburtsstunde von The Busters ereignete sich 1987 aus einem Gag heraus. Ska wollten wir immer schon machen, also Madness, Specials und diese Richtung. Wir trafen uns damals in Wiesloch, haben alle Ideen zusammengeschmissen, Spaß gehabt und dann gings los. Allerdings waren wir so viele Musiker, dass die Proben in zwei nebeneinander liegenden Räumen gleichzeitig stattfanden, derweil die Sänger auch noch draußen auf dem Treppenflur saßen. Wir probten was das Zeug hält und nach dem zweiten Auftritt gabs sogleich einen Plattenvertrag. Das ging ganz flott, denn die Ska-Szene war wohl größer als wir dachten. Seitdem spielen wir, und die Clubs sind immer voll. In Europa haben wir so ziemlich alles abgeklappert. Außerdem waren The Busters zweimal in Amerika, einmal die Ostküste entlang bis Chicago und dann die Westküste runter bis Mexiko inklusive Arizona. Und auf dem legendären Jazzfestival in Montreux haben wir auch gespielt. Spielt ihr eigene Sachen oder auch Cover-Songs? Ganz am Anfang haben wir logischerweise nur Cover gemacht, dann kam 88 die erste Platte und da waren ausschließlich eigene Sachen drauf. Jetzt ist es so, dass wir immer mal einen Cover-Song einschieben, zum Beispiel Wish You Were Here" in einer Up-Tempo Version, Dont Worry Be Happy" oder auch We Are The Champions". Wie kamen denn die Plattenverträge zustande? Mittlerweile gibts von den Busters ja elf Alben, und mit 360°" habt ihr gerade wieder eine aktuelle CD rausgebracht. Ganz in den Anfangstagen gabs einen
Konzertmitschnitt vom Schwimmbad"-Club in Heidelberg. Dieses Demo schickten wir
dem Weser-Label. Die Leute dort hatten einen Das ganze ist ja wie ein Traum für eine Band, die eigentlich aus Spaß gegründet wurde. Habt ihr schon anfangs viel Seele in das Projekt reingesteckt, um mit Absicht die Busters ganz groß rausbringen zu wollen? Wir haben nur Ska gemacht. Alles andere kam auf uns zu. Damals waren das noch wilde Zeiten, die Fans waren stilecht angezogen, sind auf Rollern gekommen und eine Zeit lang mussten wir sogar geheim halten, dass einige Mitglieder der Busters noch andere Bands hatten. Das Klischee war nämlich, dass wir alle zusammen in einem großen Haus wohnen, jeder fährt Roller, alle haben immer Anzüge an und hören nur Ska. Das gehörte wohl zum Nimbus dieser kultigen Musik. Was aber macht Ska im Grunde aus? In den 60er Jahren war Ska eine richtige Chart-Musik, ein Mix aus Rhythm & Blues, Calypso und Sounds des Bigband-Jazz. In den 70ern sprach man schon von Mainstream und es war ganz normal, zu einem Ska-Konzert im Anzug zu gehen. Dann aber kam die große Reggae-Zeit und damit verabschiedete sich der Ska von der großen Bildfläche. Erst Ende der 70er tauchte er zusammen mit der Punk-Szene in England wieder auf, und Bands wie Madness, Selector oder Bad Manners hatte ihre großen Tage. Danach ging der Ska in den Underground. In dieser Szene aber existiert ein guter Zusammenhalt, man ist sogar weltweit vernetzt und die Leute kennen sich von Südamerika über Japan bis England. Das ist so ein ganz eigenes Biotop. Mit den Busters sprechen wir die Szene und mittlerweile auch das ganz normale Publikum an. Zwar gibt es immer noch ein paar Puristen, die es stört, wenn jemand in Turnschuhen kommt. Aber egal, wir haben Spaß, uns gehts um die Gute-Laune-Musik die es wert ist, gespielt zu werden. Kann du allein von The Busters leben? Nein, das haut nicht hin. Als Musiker muss man immer so einen Gemischtwarenladen haben. Ich hab ja noch die Party- und Cover-Band Me & The Heat, außerdem gebe ich Unterricht. Dazu muss ich sagen, dass mir das Unterrichten sehr viel Spaß macht, denn es ist doch toll, der jungen Generation etwas weiterzugeben. Ich bin Musiklehrer an der Musikschule Rauenberg. Dort werden alle Instrumente sowohl im klassischen als auch im Pop-Bereich unterrichtet. Dazu arbeite ich auch mit verschiedenen Musikvereinen zusammen, fahre in deren Proberäume und zeig den Schülern, was sie für den Musikverein brauchen. Zum Teil wollen die auch wissen, was zum Beispiel bei den H-Blockx musikalisch abgeht. Und die Cover-Band Me & The Heat ist schon fast keine Cover-Band mehr, was wir machen ist viel echter. Ein AC/DC-Song hört sich nicht nur danach an, in dem Moment ist es AC/DC! Wir spielen da kein Rumba und kein Cha Cha, sondern Highway to Hell". Welche typischen Dinge gehören zur stilistischen Ausrüstung des Ska-Drummers? Man sollte viel Salsa-Musik gehört haben, oder überhaupt viel karibische Musik, und vom Approach wie ein Percussion-Spieler denken, gerade was Fill-Ins angeht. Die sind gerne synkopiert und mit vielen Flams versetzt. Vom Klangbild der Drums ist eine knochig, helle Snaredrum angesagt, sie muss hart und timbales-mäßig klingen. Außerdem spielt man viele Rimshots. Und es ist ganz wichtig, immer hart am Beat zu spielen. Laid back ist nicht! Wenn man Akzente setzt, dann mit Vorliebe auf den Off-Beats oder auf der 4". Ska wird eigentlich reggae-mäßig gedacht, nur eben wesentlich schneller gespielt. Dazu braucht man das richtige Equipment, oder ist es eher eine Frage des Tunings? Ich hab immer verschiedene Sets gespielt, aber man muss ein Schlagzeug für Ska entsprechend herrichten und stimmen. Damals hatte ich ein Pearl MBX mit 12" Tom, 14" und 16" Floor-Tom sowie einer 22" Bassdrum, dazu eine knackige Snaredrum und eine extrem hochgestimmte zweite Snaredrum, die timbales-mäßig abging. Ein Schlagzeug im Ska muss schreien, es darf nicht zu kultiviert klingen. Zur Zeit spiele ich das HipGig von Yamaha, ein Drumset, das von Natur aus gut in diese Stilistik passt. Ska-Grooves zeichnen sich dadurch aus, dass sie schnell und gerne mit Off-Beat-Hi-Hats gespielt werden. Viele Grooves klingen vermeintlich einfach", doch gerade diese Dinge sind oft unterbewertet, oder? Für mich waren Ringo Starr und Charly Watts die greifbaren Drummer zu meiner Zeit. Die einfachen Sachen, Time halten, Hi-Hat schön durchspielen, das ist schon was. Bei den schnellen Grooves darf man natürlich nicht müde werden. Joggen hilft im übrigen auch! Ich hab mir für die Fitness einige
Technikübungen zurechtgelegt, ein kleines Tagesprogramm für morgens früh oder kurz vor
dem Gig, was in 30 Minuten abgefrühstückt ist. Unter anderem sind das
Fingercontrol-Übungen in Form von einhändig gespielten Marschrhythmen. Für jede Übung
hab ich ein spezielles Tempo festgeschrieben, um daran mein Tagesprofil abzulesen. Dann
arbeite ich mit Übungen für den Handsatz und mit solchen, die mit der ganzen
Körperphysis funktionieren, also Überkopf ausholen und die Schläge rechts und links
verteilen. Diese Technik kommt eigentlich aus der Paukenschule. Das kann man aber auch am
Set mit zwei Toms gut durchführen. Es ist eine Was ist denn ein gemeines Tempo? Zu schnell oder zu langsam? Unangenehm finde ein 152er Tempo mit Achtel-Hi-Hat und dem geradeaus Stomp-Groove. Das ist fürchterlich gemein. Der Körper muss dabei die ruhende Säule bilden und es dürfen wirklich nur Arme und Beine arbeiten. Wenns schneller wäre, könnte man sagen: Feuer frei!", aber bei 152 b.p.m. musst du dich zusammenreißen. Dabei ist die Balance des Körpers auch abhängig von der Sitzposition? Früher hab ich ganz hoch gesessen, weil ich Ringo-Fan war. Dann dachte ich, tief wäre das non plus ultra, wegen des richtigen Punch. Im Moment sitze ich so, dass die Oberschenkel leicht abwärts zeigen. Beim HipGig-Set ist durch den Hocker die Sitzhöhe ja vorgegeben. Und das kommt für mich gerade hin. Außerdem hat die Sitzebene des HipGig-Hockers eine große gepolsterte Fläche, und je größer die Fläche, desto besser sind die Oberschenkel auch entlastet. Wie sehen deine Zukunftspläne aus? Neben The Busters spiele ich weiterhin regelmäßig mit Me & The Heat, einer Art All-Star-Band. Zum Beispiel sind wir jeden Mittwoch in Walldorf im Number One" im Session Kulturwerk". Da passieren immer spontane und zum Teil verrückte Sachen. Zwar haben wir eine feste Stammbesetzung, die Front-Leute aber sind oft prominente Gäste, die uns bis kurz vor der Show manchmal nicht bekannt sind oder geheim gehalten werden. Manchmal sind es irgendwelche Leute, die gerade auf Tour sind, und am Abend noch bei Me & The Heat vorbeischauen. Und dann ist es oft so, dass der Laden völlig aus den Fugen gerät. Außerdem werde ich wieder eine Zeit lang am Computer sitzen und an Ideen, Kompositionen und Vorbereitungen für die neue Busters-CD arbeiten. Interview und Fotos: Tom Schäfer
EQUIPMENT Drums: Yamaha HipGig Set
Hardware: Yamaha (HipGig-System) Felle: Remo
Cymbals:
DISCOGRAPHIE mit The Busters:
mit Me & the Heat:
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