Ingo Griesemann

Er ist 1965 in Köln geboren und aufgewachsen, und er bezeichnet sich als waschechten „kölsche Jong". Dennoch hat er sich einer Musik verschrieben, die vor vielen Jahren mit Bob Marley weltweit bekannt wurde, dem Reggae.

„Seit ich dreizehn war, habe ich Reggae gehört. Aber glaub mir – damit ist man dann seeehr alleine!" umschreibt Ingo „Sticky" Griesemann seine musikalische Leidenschaft. Dass man nicht unbedingt auf einem Marley-Schal schlafen oder den ganzen Tag stoned sein muss, um die nötige Inspiration für gut gespielten Reggae zu bekommen, hat Ingo in vielen Jahren und zahlreichen Bands eindrucksvoll unter Beweis gestellt ...

reggae-groove made in Köln

Hat auch deine musikalische Laufbahn damit begonnen, dass du Mutters Kochtöpfe malträtiert hast?

So ähnlich. Ich habe mir natürlich auch überlegt, womit man die Eltern am schnellsten und wirkungsvollsten auf die Palme bringen kann, habe aber das heimische Geschirr verschont und stattdessen auf Verkehrsschildern rumgetrommelt. Ein Kumpel von mir hatte zwei oder drei Verkehrsschilder aufgetrieben, und auf diesen Dingern fanden dann meine ersten
musikalischen Gehversuche als Trommler statt, weil diese Teile einfach saugut klangen, wenig Platz beanspruchten und tierisch laut waren.

Gibt es Empfehlungen deinerseits, welche Schilder besonders geeignet sind? Ist ein Halteverbotsschild einem Einbahnstraßenschild vorzuziehen?

Nein, es gibt da weder visuelle noch soundmäßig Unterschiede. Allerdings musste ich feststellen, dass selbst das stabilste Verkehrsschild mit der Zeit Dellen bekommt ...

... wir waren ganz normale Jungs, die ihren Job gemacht haben und einfach diese Reggae-Musik geil fanden. Wir haben damals also angefangen, Reggae zu spielen – anfänglich alles andere als gut. Wir haben uns aber eigentlich nie an Bob Marley oder Peter Tosh orientiert, sondern sind direkt mehr in die Richtung von Gregory Isaacs gegangen. Wir hatten damals mit Papa T. auch einen ganz guten Sänger, sind durch kleinere Clubs getourt oder haben ganz simpel für einen Fuffziger am Abend auf der Hochzeit von dem Schwager eines Cousins gespielt. Wir haben gespielt und gespielt und gespielt, bis dann vor acht Jahren so ein junger Typ namens Tillmann Otto alias Gentleman dazu kam, der heute bei vielen Reggae-Kennern in aller Munde ist. Gentleman war noch relativ jung, denn die meisten Leute, die sich damals für Reggae interessierten, waren mindestens 25 oder 30 Jahre alt. Man konnte damals auf wirklich jedem Reggae-Konzert die gleichen Leute treffen, egal, ob man zu Steel Pulse oder Black Uhuru gegangen ist, man traf immer exakt dasselbe Publikum an, es waren immer dieselben Gesichter im Saal zu sehen. Ob es ein Konzert in einer Halle war oder ein Festival auf der Loreley – es war immer exakt dasselbe Publikum, was von einem Ort zum anderen mitgereist ist.

Gentleman war, wie schon erwähnt, noch ziemlich jung und vor allen Dingen relativ frech, was seine Texte anging. Er war einfach anders drauf, hatte seinen eigenen Stil, und er sprach überdies auch noch ein hervorragendes Patois, kannte sich also außerordentlich gut mit dem jamaikanischen Slang aus. Wir haben uns mit ihm zusammen getan und angefangen, seine Sachen musikalisch umzusetzen und eigene Songs mit ihm zu erarbeiten. Mit Gentleman zusammen haben wir dann tagein, tagaus irgendwo gespielt, von guten Clubs bis hin zu beschissenen Clubs, von zehn Leuten im Publikum bis zu vollen Hallen. Wir sind hausieren gegangen bei jedem Veranstalter, den wir auftreiben konnten, haben uns angeboten wie Sauerbier und so lange deren Nerven traktiert, bis die dann endlich meinten „... okay, dienstags haben wir noch keine Band im Programm, wir können es ja mal riskieren mit eurem Reggae-Kram."

Unser Vorteil war, dass wir nie in dieses typische Reggae-Klischee passten ...

... wir waren ja im Grunde auch immer schon mehr als eine reine Begleitband für Die Firma oder Gentleman, weil wir deren Songs auch immer bearbeitet oder umarrangiert haben. Aus einigen Songs von Die Firma wurden dann Reggae-Nummern, teilweise auch übergangslos, so dass wir die ersten Strophen oder Takte wie auf deren Platte als reinen HipHop spielten, ehe sich der Titel dann nahtlos in einen Reggae-Beat umformte. Gelegentlich haben wir auch mit Die Firma und Gentleman die gleichen Festivals gespielt, was natürlich den Vorteil hatte, dass die Soundmixer den Sound schon kannten und schneller mit dem Soundcheck durch waren. Das lief praktischerweise oft auch direkt hintereinander, so dass wir als Band direkt auf der Bühne bleiben konnten für den nächsten Act. Für uns war das auch insofern cool, dass wir auf der gleichen Veranstaltung zweimal Gage bekamen, weil wir die Band für zwei Acts waren.

In wie fern unterscheidet sich die Killin‘ Riddim Section denn von einer „normalen" Reggae-Band?

Normalerweise hat man ja immer einen Sänger, der sich im schlimmsten Fall mehr oder minder leidend über die Bühne bewegt, dazu dann eine Band, die relativ statisch rumsteht und groovt. Zwar schön groovt, aber eben nur groovt und sonst nix. Bei uns war das immer schon anders, es passierten die abstrusesten Sachen. Der Tillmann alias Gentleman ist beispielsweise jemand, der wie ein Irrer über die Bühne hopst. Shorty, unser Bassist, ist mit seinen einsfünfundsechzig im Schatten ein total Kranker, der grundsätzlich kein T-Shirt an hat und wie ein Verrückter mit seinem Bass über die Bühne rennt, sich auf einem Bein dreht oder sonstige ungewöhnliche Dinge macht. Und unser Gitarrist sieht sowieso schon aus wie ein Psycho. So was bringt einem dann schnell einen gewissen Ruf als Band ein ...

Eines Tages hat Die Firma dann aber beschlossen, wieder eine „echte" HipHop-Formation zu sein und wieder nur mit Turntables und DAT-Samples aufzutreten. Wir haben uns dann in aller Freundschaft getrennt und fast das komplette Jahr 2001 nur für Gentleman gespielt. Am Ende des vergangenen Jahres fand dann auch die Zusammenarbeit mit Gentleman ein Ende, weil wir erkannten, dass nacht acht Jahren ein Punkt erreicht war, wo man sich gegenseitig loslassen sollte. Für uns war ausschlaggebend, dass wir in musikalischer Hinsicht an Grenzen gestoßen sind und einige Dinge in Verbindung mit Gentleman einfach nicht realisieren konnten.

Bei uns ist immer mehr der Wunsch gewachsen, mal etwas wirklich Eigenes auf die Beine zu stellen. Wir wollen uns dabei nicht nach einem Sänger richten, sondern es soll genau umgekehrt ablaufen, indem wir die Musik machen und ein Sänger dazu singt. Wir sind das Produkt, nicht ein einzelner Frontmann ...

Bruno Kassel

 

Das vollständige Interview lesen Sie in STICKS 09.2002, erhältlich ab dem 30. 08. 2002 im Zeitschriftenhandel und in guten Musikfachgeschäften.

 

EQUIPMENT

Drums:

  • ddrum 3 Turbo Digital Drums

SIB Systems Pads:

  • 12" Bassdrum
  • 12" Snaredrum
  • 10" Toms (3x)

Cymbals:

  • anatolian
  • 13" Ralf Gustke Signature Hi-Hat
  • 10" Ultimate Splash
  • 14" Ultmate Crash
  • 16" Ultimate Crash

sticks:

  • Kit Tools 5A Original

Website:

e-mail:

 

Das vollständige Interview lesen Sie in STICKS 09.2002, erhältlich ab dem 30. 08. 2002 im Zeitschriftenhandel und in guten Musikfachgeschäften.

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