Marco Minnemann

Die Meinung vom Superdrummer der „Extreme Independance" scheint in der Szene marmorsäulenhaft eingemeißelt. Sicherlich eine Auszeichnung höchster Güte, und doch reduziert man den Musiker Marco Minnemann auf eine intellektuelle, technische und berechnende Ebene. Genau das schmeckt ihm gar nicht so sehr, wenn auch sein neues Buch, das anstehende DVD-Projekt und ein für den Herbst 2002 geplantes Gipfeltreffen mit Johnny Rabb und Thomas Lang in diese Richtung zielen. Viele neue Dinge sind bei Marco in der letzten Zeit passiert, dazu zählen nicht nur die beiden neuen Alben „Motor" und „Orchids", die eine unerwartet ruhige Seite seines Schaffens zeigen. Auch seine Auftritte mit Udo Lindenberg, Rod Stewart und Nena sorgten für Diskussion. So war es an der Zeit, sich mal wieder mit Marco zu unterhalten, dessen Ansichten übers Drumming und Musik-Business interessante Perspektiven einer ganz anderen Seite des „Superman" in den Vordergrund stellten. Wir trafen Marco beim Interdrum „Trommel Rommel Dag" in Winterswijk in Holland ...

Man zählt dich zu den Top-Drummern dieser Zeit, du bist in Europa und USA ein überaus gefragter Soloperformer, fliegst in der Welt herum, hast gerade zwei neue Soloalben aufgenommen, kommst soeben von einer Recording Session mit Paul Gilbert aus Las Vegas zurück und hast bereits die Verträge für die Nena Tour 2002 in der Tasche. Stehst man da mit beiden Beinen noch auf dem Boden der Tatsachen? Weißt du, wie viel ein Stück Butter kostet?

... ha, ha, ... scheinbar verpass ich irgendwie die ganzen Stories über mich, und ehrlich bin ich auch froh darüber. Ich mach Musik und investiere meine Zeit darin, mich als Musiker weiterzuentwickeln, meine Platten zu machen, zu komponieren. Ich selektiere die Dinge und nehme Angebote an, wenn sie musikalisch – aber auch menschlich – für mich in Frage kommen. Es ist schon richtig, dass ich viel arbeite, aber alles in einem relaxten Umfeld.

Ganz aktuell hast du zwei neue Alben am Start. „Orchids" heißt deine neue Solo-Platte und „Motor" ist in Kooperation mit Mario Brinkmann entstanden. Was genau steckt dahinter?

Mario ist ein guter Freund aus Münster, der sich intensiv mit der analogen Elektronik auseinandersetzt. Man fühlt sich erinnert an die guten alten Kraftwerk-Zeiten und an Jean Michel Jarre, der noch die ganzen originalen Moog-Dinger und Modularsysteme am Start hatte. Unsere Platte „Motor" geht ein bisschen in diese Richtung, also instruments meet
machines. Ich hab’ Schlagzeug, Bass, Gitarre, Klavier etc., halt die Instrumente eingespielt, und Mario hat das Sound-Environment übernommen: Flächen, Modulationen, Geräusche, Vocoder etc. Das Ganze klingt wirklich abgefahren und ist ein echter Gegensatz zu dem ganzen Fusion-Zeug, was man vielleicht erwartet hätte.

Die zweite Platte ist mein neues Soloalbum und heißt „Orchids", wie Orchideen, und dieses Album beschreibt mal eine ganz „unnervöse" Richtung, vergleichbar mit Peter
Gabriel oder auch der „Soul Cages"-Ecke – wenn man denn unbedingt vergleichen will. Die Musik hat mit meinen früheren Alben „Green Mindbomb" oder „Comfortably Homeless" so gut wie nichts zu tun und geht in eine ganz andere Sound-Welt, dir auch für mich anfangs neu war. Mir ging es vor allem um Songwriting und das Schlagzeug steht – für viele bestimmt überraschend – wirklich im Hintergrund. Es waren auch verschiedene bekannte Sänger am Start, von denen einige aus vertraglichen Gründen nicht genannt werden dürfen – plattenfirmenmäßig lustig, nicht? „Orchids" liegt mir sehr am Herzen, und ich hab’ da in den zwei Jahren Produktionszeit verdammt viel Energie reingesetzt ...

Wie siehst du dich in deinem Berufsbild selber? Bist du der Band-Drummer, ein Composer, ein Session-Drummer oder eher der Soloperformer?

Da habe ich mir selber einige Gedanken drüber gemacht. Alles in allem bin ich Musiker, dem es Spaß macht, Musik zu machen. Mehr nicht. Ich habe gelernt Gitarre, Schlagzeug, Bass und Keyboards zu spielen, und ich nehme mir viel Zeit für die Instrumente. Mich stört es in der Öffentlichkeit als der Schlagzeuger zu gelten, den man ewig auf seine spieltechnische Seite reduziert. Mir ist die Musik mindestens genauso wichtig. Gerade mit den beiden neuen Platten würde es mich freuen, wenn man diese Seite von mir auch beachtet und mich nicht immer als „der Deutsche Wahnsinns-Drummer" tituliert, sondern sagt: „... hey, das ist doch der Typ, der auch gute Platten macht!"

Was steht aktuell bei dir an?

Im Oktober wird voraussichtlich das neue Album von Paddy Kelly erscheinen, das von mir mitproduziert wurde und hoffentlich Beachtung findet. Mit dabei waren neben Paddy (Vocals und Gitarren) auch Fabio Trentini am Bass und an der Gitarre, Mario Brinkmann mit Sounddesigns, und ich hab’ neben meiner Arbeit als Produzent Drums, Gitarren und Keyboards gespielt. Außerdem werden wir wahrscheinlich Ende des Jahres auf Tour sein. Geplant ist auch mein Minnemann-DVD-Projekt, für das ich viele meiner alten und neuen Songs komplett auseinandernehme und soliere etc. Außerdem steht für diesen Herbst eine Workshop-Tour an, sozusagen ein „Drummer Gipfeltreffen" zusammen mit Thomas Lang, Johnny Rabb und mir.

Anfang 2003 kommt dann wieder eine neue Minnemann-CD. Vom 24. September bis 6. Oktober bin ich im direkten Anschluss an die Nena-Tour mit Wolfgang Schmids Kick und dem neuen Album „Special Kick" unterwegs, das wohl Mitte August veröffentlicht wird. Und zur Zeit arbeite ich an einem Album mit dem Earthworks-Musiker Steve Hamilton. Auch diese CD erscheint noch in diesem Jahr. Weiterhin spiele ich noch auf dem Drum-Festival in Montreal und mache anschließend eine USA-Solo-Tournee ... und außerdem versuche ich meine Tischtenniskenntnisse zu erweitern, ho, ho.

Was ist für dich der Unterschied zwischen Rhythmus und Groove?

Rhythmus kannst du definieren und Groove musst du fühlen!

Interview und Fotos: Tom Schäfer

 

EQUIPMENT

Drums: DW Collector’s Serie Maple

  • 22" x 17" Bassdrum
  • 22" x 8" Woofer
  • 20" x 16" Gong Tom (22" Fell)
  • 13" x 5" Snaredrum (Main)
  • 14" x 5" Snaredrum (links)
  • 10" x 6" Snaredrum (ganz links)
  • 8" x 2" Concert Tom mit Snares als
  • Mini-Bassdrum per Pedal gespielt
  • 10" x 8" Fast Tom
  • 12" x 9" Fast Tom
  • 8" x 8" Fast Tom
  • 14" x 11" Fast Tom
  • 16" x 13" Fast Tom (v. l. n. r.)

Hardware und Pedale: DW

  • 5002 Delta II Turbo Double-Pedal
  • 2 x 5502 LB Cable Remote Hi-Hats
  • Delta Dual Accessory Hi-Hat
  • 5500 TD Delta Turbo II Hi-Hat
  • 9300 Snaredrum-Stativ
  • 2x 9303 Piccolo Snaredrum-Stative
  • 2x 9934 Double Tom Stands
  • 9999 Tom/Cymbal Stands
  • 9x 9700 Straight/Boom Cymbal Stands

Sitz: Tama 1st Chair Ergo Rider

Cymbals: Meinl

  • 8", 10" und 12" Generation X Alien Hats
  • 14" Byzance Hi-Hats
  • 14" Generation X Filter China
  • 10" One Of A Kind Splash
  • 8" One Of A Kind Splash
  • 18" Byzance Medium Crash
  • 18" Byzance Medium Thin Crash
  • 16" Byzance Thin Crash
  • 20" Byzance Dry Ride
  • 16" Byzance China
  • 18" Amun China mit 13" Raker Hi-Hat
  • Bottom-Cymbal als „Sandwich"

Percussion: Meinl Percussion Block

Sticks: Pro-Mark „Autograph"-Serie

Marco Minnemann Modell

Felle: Evans

  • alle Schlagfelle Genera G1 white/coated
  • alle Resonanzfelle Genera G1 clear

Mikrofone: AKG

  • Bassdrum: D112
  • Toms: C419 Clips
  • Hi-Hat: C414EB
  • Overheads: C1000 und/oder C319
  • Ambience: VR12

 

Das vollständige Interview lesen Sie in STICKS 09.2002, erhältlich ab dem 30. 08. 2002 im Zeitschriftenhandel und in guten Musikfachgeschäften.

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