Manolo Badrena

Manolo Badrena blickt auf eine lange Karriere zurück. Als Percussionist hat er an vielen bedeutenden Produktionen mitgewirkt und hinterließ seine Handschrift bei Künstlern und Bands wie Weather Report, Talking Heads, Spyro Gyra, Brecker Brothers, Laurie Anderson, Bill Evans, Steve Khan, George Duke und vielen, vielen anderen. Dennoch ist sein Name stets im Hintergrund geblieben. Er zählt nun mal nicht zu den offensiven Pop-Typen. Seine Welt ist die der gepflegten Künste, der feinen Linien einer grafischer Ästhetik, einer Begegnung von Fantasie und Intellekt. Dabei gelangte er zu der Feststellung, dass in der Musik eine großartige geistige Freiheit zu finden ist. Im Rahmen der „Faces & Places" World-Tour des Zawinul Syndicate trafen wir einen herzlichen Menschen, der scheinbar alle Dinge des Lebens mit großer Leidenschaft verknüpft.

Als gebürtiger Puerto Ricaner bist du wahrscheinlich mit einem Selbstverständnis für lateinamerikanische Sounds und Grooves aufgewachsen. Ist dieser für die globale Percussion elementare Stil auch für dich eine wichtige Ausrichtung, der du folgst?

Es prägt natürlich, wenn man im Latin-Kontext aufwächst. Meine großen Idole waren Mongo Santamaria und Tito Puente. Aber im Wesentlichen bin ich beeinflusst von der Musik im globalen Sinne, und für mich haben sich spezifische Charakterisierungen, was die unterschiedlichen Stile angeht, allmählich aufgelöst.

Wie man anhand deiner langen Discografie-Liste sieht, bist du vorwiegend in der Jazz- und Fusion-Szene involviert. Deine Welt ist also nicht die der großen Pop-Gigs?

Ich habe mich nie darauf konzentriert eine bestimmte Richtung einzuschlagen, wie zum Beispiel Pop-Musik.

Hast du kein Interesse daran?

Doch! Klar! Pop-Musik mag ich total gerne, ich steh zum Beispiel auf Britney Spears. Natürlich muss man unterscheiden zwischen Musik hören und Musik spielen. Es ist für mich als Percussionisten natürlich ein qualitativer Unterschied mit Blümchen oder mit Joe Zawinul zu arbeiten ...

... Moment mal ... du lebst doch in New York, woher kennst du denn Blümchen?

Ich höre mir gerne deutsche Pop-Musik an. Zuhause verwalte ich ein Riesenarchiv an Musik, aber die deutsche Pop-Musik berührt mich auf eine besondere Weise. Immer wenn ich die Möglichkeit habe, deutsche Musik zu hören – zum Beispiel auf Tourneen, abends im Hotel, in TV-Sendungen – bin ich aufmerksam und interessiert. Wer mir besonders gefällt ist

Xavier Naidoo, auch Thomas D., Sabrina Setlur und überhaupt die ganzen 3p Pelham Productions, aber auch Tic Tac Toe, Fantastic Four usw. Für mich haben die Produktionen internationale Stärke ... aber wo wir gerade davon reden: Wer ist eigentlich dieser Drummer von Xavier Naidoo?

Ralf Gustke. Was ist mit ihm?

Wow, der spielt einfach fantastisch!

Ist der deutsche Pop-Sound so völlig anders als der in New York produzierte?

Es ist alles eine Frage des persönlichen Geschmacks. Für mich funktioniert Pop-Musik sehr gut mit der Phonetik deutscher Sprache.

Welche Herausforderung ist es denn mit Joe Zawinul zu arbeiten?

Joe ist Österreicher und stellt seine Roots in Form ganz unikater Sounds zu Verfügung. Das ist absolut grandios! Mit ihm zu arbeiten bedeutet sehr präzise zu sein, sowohl rhythmisch als auch in der Sound-Auswahl – und im selben Moment heißt es, Freiheiten auszuleben. Und das alles gleichzeitig! Man muss sehr reaktionsschnell sein ...

Wäre es für dich reizvoll, mal „nur" einen Shaker zu spielen? Viele Percussionisten machen ja gerne alles gleichzeitig.

Wenn du solistisch unterwegs bist, dann ist es sicherlich auch für den Showeffekt interessant gleichzeitig Congas, Shaker, Foot-Clave etc. zu spielen. Grundsätzlich aber sollte ein Percussionist mit dem Song arbeiten und wissen, in welcher Situation er steckt. In anderen Kulturen gibt es einen Spieler für eine Trommel. Die moderne Percussion-Welt hat all diese Stimmen adaptiert und nun versucht man, als einzelner Spieler die ganze Welt gleichzeitig zu spielen. Das ist natürlich völliger Quatsch und macht musikalisch überhaupt keinen Sinn! Für mich liegt ein großer Reiz darin, die rhythmische Welt und die der Harmonien und Melodien in Einklang zu bringen.

Gibt es ein Geheimnis, einen Shaker interessant zu spielen?

Es ist das präzise Zusammenspiel von Physis und Geschmack ...

Was war der wichtigste Punkt in deiner Karriere?

Musik zu lernen und zu erkennen, dass man durch Musik mit Menschen kommunizieren kann. Schon als Kind war ich in die Musik verliebt und meine Eltern unterstützten diese Gabe.

Und wann hast du dich entschieden, Musik als Beruf zu wählen?

Kann ich gar nicht so sagen. Ich hab immer Musik gemacht, weil sie mein Interesse forderte und mich im Leben weiterbrachte. Es ist mehr als nur das Empfinden von Spaß, es ist die Lust. Heute ist allerdings aus dem emotionalen Aspekt ein Business geworden, und ich muss Steuern zahlen. Doch Musik ist eine spirituelle Sache. Ich bin jetzt 50 Jahre alt und erkenne, welch großartige geistige Freiheit in der Musik liegt. Nicht alle Menschen verstehen das, man muss dazu berufen sein. Aber es gibt auch viele andere kreative Seiten im Leben. Auch der Architekt, der mein Haus baute, ist auf seine Weise ein großer Künstler. Musikmachen ist genauso ein Talent, nur auf einer anderen Ebene. Als Musiker allerdings kennst du keine Freizeit, denn Musiker bist du 24 Stunden am Tag ...

equipment

Meinl Percussion

  • 11" Floatune Wood Conga (wine red)
  • 12" Floatune Wood Conga
  • 13" Floatune Wood Conga
  • TMC Conga Stands
  • 7"/9" Free Ride Wood Bongos
  • TMB Bongo Stand
  • 13 1/2" Floatune Wood Djembe
  • 14"/15" Luis Conte Steel Timbales
  • 6 1/4" und 8" Realplayer Steelbells
  • Jumbo Handpainted Shekere, Skin
  • Maracas, div. Ganzas und
  • Caxixis, Fiber Shaker, Alu Shaker,
  • Guiros, Cabasas, Birds und Rainmaker, Jingle Sticks, LC60HF Chimes,
  • MPE1 Percussion Block,
  • TMT1 Hand Tambourin,
  • TMT2 Set Tambourin
  • Meinl Cymbals der Serien Candela und Byzance

discografie (auszug)

  • Manolo Badrena – Manolo (Solo-Album, 1979)
  • Laurie Anderson – Strange Angels
  • Laurie Anderson – Talk Normal
  • Carla Bley – Night-Glo
  • Carla Bley – Carla Bley Live
  • Blondie – Hunter
  • Brecker Brothers – Straphangin’
  • George Duke – Reach For It
  • Bill Evans – Alternative Man
  • Bill Evans & Push – Live in Europe
  • Bill Evans – Escape
  • Bill Evans – Touch
  • Debbie Harry – Koo Koo
  • Steve Khan – Eyewitness
  • Steve Khan – Blades
  • Steve Khan – Casa Loco
  • Steve Khan – Public Access
  • Steve Khan – Headline
  • Steve Khan – Crossings
  • Earl Klugh – Best of Earl Klugh, Vol. 2
  • Mike Mainieri – Wanderlust
  • Tania Maria – Best of Tania Maria
  • Jaco Pastorius – Rare Collection
  • Spyro Gyra – Incognito
  • Spyro Gyra – City Kids
  • Spyro Gyra – Breakout
  • Spyro Gyra – Stories Without Words
  • Spyro Gyra – 20/20
  • Mike Stern – Jigsaw
  • Andy Summers – World Gone Strange
  • Talking Heads – Naked
  • Gino Vannelli – Brother to Brother
  • Weather Report - Heavy Weather
  • Weather Report – Mr. Gone
  • Weather Report – Live and Unreleased
  • Joe Zawinul – World Tour
  • Joe Zawinul – Faces & Places

 

Das vollständige Interview lesen Sie in der STICKS-Ausgabe 01.2003; erhältlich ab dem 30. 12. 2002 im Zeitschriftenhandel und in guten Musikfachgeschäften.

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