
| Er ist vor wenigen Wochen 32 Jahre alt geworden
und zählt dennoch schon zu den alten Hasen" in der deutschen Musikszene.
Nachdem der Stuttgarter mit 6 Jahren ersten Piano- und Schlagzeug-Unterricht bekam, folgte
noch mal 6 Jahre später ein erster Auftritt in der TV-Produktion Die
Joghurts", in welchem es um eine Kinderband ging. Mit 17 ging Flo Dauner von der
Schule ab, um fortan als unabhängiger Musiker zu arbeiten. Von 1987 bis 1989 spielte er
im Bühnenstück Die Soldaten" der Stuttgarter Staatsoper, trat im
französischen Strasbourg und im russischen Moskau auf. Danach Umzug nach Berlin, wo er
als Studiomusiker erste Erfahrungen bei diversen Pop- und Jazz-Produktionen sammelte. Seit
1993 trommelt Flo Dauner für Die Fantastischen Vier, die wohl bekannteste und
erfolgreichste deutsche HipHop-Formation ... Anlässlich der aktuellen Tournee der vielgelobten Band De | Phazz hat sich Bruno Kassel für STICKS mit Florian unterhalten. Florian, was ist alles seit unserem letzten Treffen vor etwa 10 Jahren passiert, was hast du in musikalischer Hinsicht gemacht? Oh, das kann ich natürlich jetzt nur stichwortartig beantworten, weil es ansonsten den Rahmen sprengen würde. Ich bin kurze Zeit nach unserem damaligen Treffen nach Boston gegangen, habe dort 1992 auf dem Berklee College Schlagzeug und Komposition studiert. Als ich dann wieder zurück war aus den USA, habe ich 1993 eine Tour gemacht mit einer Berliner Band namens Peacock Palace, das war eine damals ziemlich bekannte Gruppe. Kurz danach kam dann der Kontakt zu den Fantastischen Vier zustande, und das wurde dann ja ein relativ großer Part meiner bisherigen musikalischen Aktivitäten. Wie hat sich der Kontakt zu den Fantas ergeben? Lernt man die als Teil der Stuttgarter Szene automatisch kennen, wenn man in der Schwaben-Metropole wohnt? Ja, das ist nicht ganz verkehrt. Ich kannte Einen von denen bereits vorher aus dem musikalischen Umfeld aus Stuttgart-Degerloch, wo ich ja aufgewachsen bin. Dort gab es auch ein Jugendhaus, und da sind wir uns gelegentlich über den Weg gelaufen. Natürlich kannte ich die Fantas auch dem Namen nach, aber als Drummer hat man da natürlich anfänglich eher etwas skeptisch reagiert und die Stirn in Falten gelegt, weil einem das, was die da anfänglich so machten, erst mal nicht ganz geheuer vorkam. Ich habe dann über den Manager von denen mitgekriegt, dass die einen Drummer suchen für ihre nächste Tournee, welche direkt im Anschluss an ihren Die da"-Hit stattfinden sollte. Zu Beginn sind die Fantas ja immer nur zu Viert aufgetreten, mit DAT-Recorder und Turntables. Ich habe dann bei denen im Büro angerufen und erfahren, dass die Band gerade im Studio ist, um die CD Die vierte Dimension" vorzubereiten. Mit meinem Set bin ich dann ins Studio gefahren, wo wir einen ganzen Tag lang zu den Playbacks rumgejamt haben, die sie bis dahin vorbereitet hatten und gerade abmischen wollten. Ich hatte nur Bassdrum, Snaredrum und Hi-Hat dabei und habe zu diesen Playbacks einige Sachen angeboten. Die Band fand das irgendwie klasse ... Hast du denn bei den Fantastischen Vier auf dem akustischen Drumset gespielt oder hauptsächlich E-Drums benutzt? Hauptsächlich habe ich bei denen ein akustisches Set gespielt. Natürlich gibt es auch in der jetzt zehnjährigen Zusammenarbeit mit den Fantas eine Entwicklung, was sowohl mein dort benutztes Equipment als auch meine Spielweise anbelangt. Wenn ich heute angerufen werde und mir Jobs angeboten werden, hat das sicherlich auch viel damit zu tun, dass die Leute mich von den Fantas her kennen und meine Art des Drummings für eine Produktion oder eine Tour haben wollen. Ich würde sagen, dass ich eigentlich erst in der Zeit mit den Fanta Vier meinen eigenen Stil entwickelt habe. Es hat mit meiner Beschäftigung mit der HipHop-Musik zu tun und damit, welche Möglichkeiten es für einen Drummer gibt, solche Sachen musikalisch umsetzen zu können und die geeigneten Stilmittel herauszufinden. Man muss ja bei einer solchen Musik bestimmte Elemente herausheben und besonders betonen, denn wenn man dazu nur trommeln würde wie ein herkömmlicher Drummer, dann würde man feststellen, dass es nicht perfekt zusammenpasst und letztlich etwas fehlt. Was genau ist es denn deiner Meinung nach, was man als Drummer wissen und können muss bei dieser Form von Musik? Das Markanteste in der HipHop-Musik ist halt, dass man sehr viel mit programmierten Sachen arbeitet, dass man sehr viele Loops verwendet und diese Sachen in der Regel über wenig Dynamik verfügen. Beispiel: Ein normaler Drummer spielt die Hi-Hat meist mit einer Achtel-Betonung, also die Viertel ein wenig lauter und die Offs ein bisschen leiser. So was ist beim HipHop total untypisch, insofern spiele ich die Hi-Hat auf jedem Schlag gleich laut. Das klingt zwar etwas maschinell und sieht auch ein wenig komisch aus, aber das ist beispielsweise ein Grundkriterium für einen Drummer, wenn er zu einer solchen Musik trommeln soll. Da gibt es natürlich auch noch einige weitere Abweichungen zu der Spielweise eines normalen Schlagzeugers, beispielsweise, wo man die Betonungen setzt innerhalb des Timings. Bei programmierter Musik ist es ja meistens so, dass man die einzelnen Instrumente separat aufnimmt und dadurch die Möglichkeit hat, ein Instrument vom Timing her auf einer Ebene verschieben zu können. Man kann also die Hi-Hat timingmäßig ein wenig vorziehen, damit sie einen treibenden Charakter bekommt, während die Snaredrum und die Bassdrum unverändert etwas später kommen manche Leute würden sagen: falsch kommen. Ich habe oft den Fall, dass ich die Bassdrum und die Snaredrum ein wenig schleppen lasse, weil das dann zusammen mit einer forcierten Hi-Hat dem Song eine spezielle Charakteristik gibt. All diese Sachen haben sich natürlich im Laufe einer langen Zeit erst entwickelt, das kam ja nicht alles von einem Tag auf den anderen ... Du erwähntest, dass sich während der Zeit mit den Fantas dein Schlagzeugstil verändert hat. Trifft das auch auf dein Equipment zu? Hat sich dein Drumset in dieser Zeitspanne ebenfalls grundlegend verändert? Nein, eigentlich nicht. Am Anfang hatte ich sogar noch ein etwas größeres Schlagzeug, und mit den Jahren habe ich dann immer weiter reduziert. Bei den ersten Tourneen hatte ich noch diverse Toms und relativ viele Cymbals, was aber sicherlich auch damit zu tun hatte, dass das Drumkit damals eine andere Funktion im Live-Konzept inne hatte, dass es im Grunde nur zum Ausschmücken geplant war. In den letzten Jahren tendierte es aber immer mehr zum Beat-Lastigen, so dass ich mit immer weniger Trommeln auskam, nur ein oder gar kein Hänge- und ein Stand-Tom benutzte und sich alles also auf zwei Snaredrums und zwei Hi-Hats sowie die Bassdrum konzentrierte. Ich habe einfach festgestellt, dass ich ohnehin fast nicht mehr auf die Toms schlage, und insofern konnte ich sie konsequenterweise auch dann ganz weglassen. Die Sounds der Toms habe ich eine Weile auch mit elektronischen Sachen ersetzt, denn ich hatte ja fast immer auch ein Pad mit unendlich vielen Sample-Sounds in meinem Set integriert. Ich war ja immer schon stark interessiert an elektronischen Sounds, was ja eventuell damit zusammenhängt, dass ich diesbezüglich durch meinen Vater schon recht früh mit dieser Thematik konfrontiert worden bin; ich habe ja schon als kleiner Junge auf den damals noch riesengroßen Synthesizern meines Vaters die abenteuerlichsten Sounds erzeugt und Raumschiff gespielt. Mitte der achtziger Jahre habe ich mir dann ein erstes Simmons-Drumkit zugelegt, insofern habe ich neben dem akustischen Drumset immer schon auch mit elektronischen Sounds experimentiert und war noch nie versessen darauf, ein rein akustischer Trommler" zu sein. Merkwürdigerweise haben wir im Studio bei den Fantas alle Schlagzeug-Sachen nur mit akustischem Equipment aufgenommen, wobei wir natürlich darauf geachtet haben, das mein akustisches Set so einen Quasi-Sample-Charakter bekam ... Wie ist es denn eigentlich zu dieser Zusammenarbeit zwischen De | Phazz und dir gekommen? Das ist noch eine ziemlich frische Geschichte, weil ich ja erst für diese Tour dazugekommen bin. Ich kannte die Leute von der Band vorher gar nicht, aber es lässt sich echt gut an und macht mir ziemlichen Spaß. Die Band stammt ja hauptsächlich aus Heidelberg und Umfeld, und sie hat die gleiche Booking-Agentur wie die Fantas, nämlich Four Artists. Als der Chef dieser Agentur hörte, dass De | Phazz einen Drummer suchen, hat er mich vorgeschlagen. Der Bassist von De | Phazz hatte mal eine Band mit Ralf Gustke, insofern hätte auch einiges dafür gesprochen, dass Ralf den Job macht. Aber dann hat die Band sich entschieden, es mal mit einem Schwaben zu versuchen. Dann erklär doch mal kurz für diejenigen, die die Band nicht kennen, welche Musik De | Phazz macht. Ich kannte De | Phazz anfänglich auch nicht, obwohl ich den Namen hier und dort schon mal gehört hatte. So wird es vielen Leuten gehen, denn die Band hatte bislang noch keine erfolgreichen Videos bei den Musiksendern unterbringen können. Dennoch hat die Band immer schon ziemlich viele Platten verkauft, sowohl in Deutschland als auch im restlichen Europa. Ich musste mir also die Sachen von De | Phazz auch erst mal anhören und draufschaffen, und dabei merkte ich, dass die Platten der Band sehr unterschiedlich sind. Zu Beginn tendierte das ziemlich in den Bereich DrumnBass, dann ging es mal in die Lounge-Richtung, und das aktuelle Album beinhaltet auch einige jazzige, chansonbeeinflusste sowie poplastige Songs. Meiner Meinung nach ist die Musik von De | Phazz poppiger geworden, auch wenn das der ein oder andere eventuell nicht so wahrhaben möchte. Die Band hat ein ungeheuer breites Spektrum, schon alleine durch ihre verschiedenen Sänger und Sängerinnen kommen da viele unterschiedliche Stile zusammen. Die Songs werden in verschiedenen Sprachen gesungen: französisch, deutsch, englisch. Es wird mit vielen modernen Programmings oder elektronischen Sounds gearbeitet, aber und das finde ich sehr angenehm nicht auf eine sterile Art. Es ist eine Kombination von Klang-Collagen mit realen Instrumenten, wodurch ein sehr dichter Sound entsteht. Interview und Fotos: Bruno Kassel
DISCOGRAFIE
Das vollständige Interview lesen Sie in STICKS 02.2003; erhältlich ab dem 24. 01. 2003 im Zeitschriftenhandel und in guten Musikfachgeschäften. |
© Copyright: Sticks - ein Magazin des MM-Musik-Media-Verlag GmbH