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Grönemeyer-Tour 2002
ZEN – ODER: DIE KUNST EIN SCHLAGZEUG ZU FÜHREN ...

Zweifellos zählt Armin Rühl zu den deutschen Drummer-Legenden und ist vielen in erster Linie als Trommler von Herbert Grönemeyer bekannt. Mit „Mensch" legte Herbert Grönemeyer nach einer langen und menschlich verständlichen Pause eine erstklassige Produktion hin, die durch Vielseitigkeit und Tiefgang Jung und Alt begeistert. Für Trommler und Percussionisten hat dieses Werk eine gekonnt umgesetzte Symbiose aus klassischen Rock-Grooves, Drum-Loops, dichten elektronischen Sounds und geschmackvoll gestalteten Percussion-Pattern zu bieten, dabei wirken die in Details durchaus komplexen Rhythmus-Arrangements einzelner Songs immer leicht und elegant, sind also im wahrsten Sinne des Wortes songdienlich umgesetzt. Vielseitigkeit und geschmackvolles Spiel sind das Markenzeichen von Armin Rühl, den wir vor dem Kölner Konzert im Rahmen des ausverkauften Indoor-Teils der „Von Gestern bis Mensch"-Tournee zu einem interessanten Gespräch trafen, an dem auch Marc Essien, der neue Percussionist der Grönemeyer-Band teilnahm.

Wie gestaltet sich die Vorbereitung zu einer Herbert Grönemeyer Produktion? Stehen im Vorfeld Demos zur Verfügung? Welche Vorgaben werden gemacht?

In der Regel ist es so, dass Herbert ein Studio mietet. Wir bauen dann unsere Instrumente im Kreis auf, so dass eine optimale Kommunikation möglich ist. Er spielt uns dann seine Kompositionen am Klavier vor und dann werden die Songs gemeinschaftlich erarbeitet. Bei dieser Produktion gab es zum ersten Mal ein paar Songs, bei denen ein Loop eine grobe Vorgabe darstellte, aber auch bei diesen Songs wurde dann immer noch sehr viel ausprobiert und getüftelt. Wir haben zum Beispiel für den Song „Mensch" mindestens drei oder vier Versionen erarbeitet, darunter auch eine Reggae-Version. Wir erarbeiten also immer verschiedene Versionen von Grund auf und bei der nächsten Session wird dann an den Versionen im Detail gearbeitet, die wir besonders gut finden. Was du letztendlich auf der Platte hörst, sind Songs, die von der Band entwickelt und arrangiert wurden. So haben wir schon immer gearbeitet. Diese Herangehensweise gibt mir auch das Gefühl, in der Musik vertreten zu sein. Ich habe nie Charts oder irgendwelche in Notenform ausgearbeiteten Vorgaben bekommen. Ich hatte immer die Chance, mich einzubringen, und wenn nach meiner Empfindung ein anderer Groove sinniger oder passender war, konnte ich das auch immer anbieten ...

Bei dem Song „Mensch" entsteht der Eindruck, dass zu Beginn ein Loop läuft und du dann darauf mit diesem tollen Fill einsteigst, das durch seine simple Eleganz einfach besticht.

Nee, die Nummer habe ich eingezählt und von Beginn an durchgespielt. Auf das, was dann aber letztendlich produktionstechnisch passiert bis die Platte fertig ist, habe ich keinen Einfluss. Ich denke mal, dass sie das Schlagzeug auf RADAR oder ProTools überspielen und damit in der klanglichen Gestaltung natürlich noch viele Möglichkeiten haben. Für meinen Geschmack sind auch die originalen Drumsounds auf der Platte ein bisschen zu weit nach hinten gemischt, aber dass ist eben jenseits von meinem Einfluss. Ein Freund von mir hat mich sogar gefragt, warum das so kalt klingt. Möglicherweise auch ein Effekt, der durch digitale Produktionsweise entsteht, denn alles klingt ja super sauber und korrekt.

 

Das heißt aber doch auch, dass du für einige Songs vielleicht umdenken musst, wenn ihr die Proben zur Tournee startet, weil diese Songs in der endgültigen Version ja dann ganz anders wirken?

Allerdings, außerdem liegt zwischen dem Einspielen und dem offiziellen Erscheinen der Platte ja bis zu einem Jahr, und in dieser Zeit habe ich vielleicht über 150 Gigs mit völlig anderer Musik gespielt, da muss ich die Grönemeyer-Songs dann einfach neu lernen ...

... dazu probiere ich im Vorfeld auch Equipment aus, was ich dann auf Tournee einsetzen werde und dazu habe ich ja reichlich Gelegenheit bei den Gigs mit den anderen Bands in denen ich so spiele. So konnte ich rechtzeitig meine neuen Anatolian Cymbals ausprobieren und entscheiden, welche dieser Cymbals mit auf Tournee gehen sollten. Wenn du dein Instrument klar hast, ist das ein gutes Gefühl ...

 

Marc, du bist also erst bei den Proben dazu gestoßen, welche Anforderungen stellten die neuen Songs an dich?

Marc Essien: Wir mussten erst einmal aussortieren, was ich auf den akustischen Percussion-Instrumenten spiele und was an elektronischen Sounds benötigt wurde, dabei mussten wir unterscheiden, was als Loop eingespielt wurde und welche Elemente und Loops ich mit den Handsonic Drums spiele bzw. ersetze. Da auf der Produktion einige atmosphärische Sounds verwendet wurde, die von einem anderen Medium kamen, musste ich dann einige dieser Sounds auf dem Handsonic reprogrammieren und versuchen, so dicht wie möglich an die Sounds heranzukommen. Einige Sounds rufe ich auch über ein Roland KD-120 Kick-Pad über den Trigger-In des Handsonic ab.

Zuerst musste ich aber die Percussionparts von allen neuen Songs lernen, und es war doch recht wenig Zeit dafür, aber ich glaube, dass mir das recht gut gelungen ist. Alles, was man heute im Konzert an natürlichen Percussionparts hört, ist live von mir gespielt, ebenso einige elektronische Athmo-Sounds. Auf „Neuland" spiele ich vom Handsonic die gesamten Effektsounds. Die Loops liefern dazu bei einigen Songs eher Soundeffekte mit verschiedenen Industrial-Sounds, Noises usw. die daher logischerweise sehr schwierig nachzuahmen und zu spielen sind ...

 

Armin, welcher Art Veränderung hast du für den Schlagzeugpart vorgenommen?

Armin Rühl: Für die Songs der aktuellen Produktion war das zwar gar nicht so extrem, es ging dabei eher um Details. Aber wir spielen ja auch älteres Material – „Männer" ist z. B. über 15 Jahre alt, und da will keiner unbedingt das alte Arrangement spielen. Das hatte sicherlich damals seine Berechtigung und war sicherlich klasse, aber bei den älteren Songs überlegen wir uns schon, wie wir diese spielen können, so dass sie uns wieder ankicken. Ich denke, dass die Fans uns dafür auch lieben, genauso wie für die Medleys, die wir aus einigen Songs aus den verschiedenen Episoden zusammen stellen, da erfindet man ja auch immer kleine Arrangements wie beispielsweise eine neue Überleitung, und das macht richtig Spaß, an solchen Dingen zu arbeiten. Diese Ideen können wir Herbert dann anbieten, er ist der Boss und entschiedet, ob dass so umgesetzt wird, oder nicht. Meistens steht er aber auf die Dinge, die sich die Band ausdenkt und vorschlägt ...

 

... einige Songs spiele ich zum Click, weil sie ein definiertes Tempo brauchen. In diesem Rahmen kann ich dann zwar variieren – je nachdem wo die Band hin will, kann ich entweder vor, oder hinter dem Click spielen – habe dann aber immer noch das Basistempo. Bei manchen Songs nutze ich den Click nur als Einzähler und ältere Nummern spielen wir komplett ohne Click.

Die Anspannung bei der Show gestern war zu Beginn doch recht hoch, wegen der Fernsehaufzeichnung und des DVD-Mitschnitts, da waren wir superkonzentriert und nach etwa der Hälfte der Show habe ich dann gedacht, Mensch, da sind 17.000 Leute, ich will an den Emotionen teilhaben, also: drauf! Die Leute, die zu unseren Konzerten kommen wollen was erleben, hier wird gelacht und geweint, hier gibt es laute und leise Lieder, Rock-Songs und Groove-Songs – und das ist das schöne an der Musik von Herbert Grönemeyer: Man ist hier nicht auf ein Ding festgelegt!

Interviews und Fotos: Ralf Mikolajczak

 

Das vollständige Interview lesen Sie in STICKS 02.2003; erhältlich ab dem 24. 01. 2003 im Zeitschriftenhandel und in guten Musikfachgeschäften.

 

Equipment Armin Rühl

Drums: Wahan

  • 22"x18" Bassdrum
  • 8"x8" Tom
  • 12"x10" Tom
  • 14"x12" Tom
  • 16"x14" Tom
  • 14"x5,5" Kupferkessel Snaredrum
  • 13"x5" Kupferkessel Snaredrum

Cymbals: Anatolian

  • 16" Ultimate Crash
  • 17" Ultimate Crash (2x)
  • 18" Ultimate Crash (2x)
  • 20" Ralf Gustke Signature Ride
  • 14" Ultimate Rock Hi-Hat
  • 20" Ultimate China

Hardware:

  • Tama Iron Cobra Single-Bassdrum-Pedal
  • (mit Tama Filz-Schlägel)
  • Pearl Eliminator Hi-Hat-Maschine
  • Tama Ergo Rider Drummer-Sitz
  • Sonor Signature Snaredum-Stativ
  • sonstige Stative: Pearl

Stick-Bag: 2x Champagner-Kühler

Felle: Aquarian/Remo

Bassdrum: Aquarian Super Kick

  • (in Köln: Remo PowerStroke III mit Remo Ambassador Ebony Resonanzfell)

Snaredrum: Aquarian Hi Energy Schlagfell, Aquarian Classic Clear Snare Resonanzfell

Toms: Aquarian Response 2 Schlagfelle, Aquarian Classic Clear Resonanzfelle

Sticks: Vater Pro Rock

Elektronik:

  • Roland V-Drums TD-10/TDW-1 (bei Bedarf)

Click: Tama Rhythm Watch

Monitor:

  • Oz Audio HM6 Qmix
  • In-Ear-Hörer
  • 2 Auratone 50W Bass-Shaker
  • Yamaha P1600 Endstufe

Mikrofone: Sennheiser

Toms: e 604

Snaredrum: ein aktueller Prototyp

Bassdrum: e 602

In Köln wurden aufgrund der DVD-Produktion für die Aufzeichnung von Hi-Hat, Ride-Cymbal und als Overheads Neumann TL103 Mikrofone verwendet, und für die Bassdrum kam ein zusätzliches Grenzflächen-Mikrofon zum Einsatz.

 

Equipment Marc Essien

Acoustic Percussion: Meinl

  • 7"/8,5" Fibercraft Free Ride Bongos
  • 12,5" Fibercraft Tumba
  • 11,75" Fibercraft Conga (2x)
  • 14"/15" Luis Conte Signature Timbales
  • Realplayer Mounted Cowbell (gespielt mit Pearl Bassdrum-Pedal)
  • Realplayer Cowbell 8,15"
  • Luis Conte Signature Chimes
  • Fiberglas Shekere (Jumbo Size), Fiberglas Rainmaker, diverse Shaker (Aluminium- und Fiberglas-Modelle in diversen Größen),
  • Maracas, Cabasas, Ganzas, Woodblocks, Jingle-Sticks und Tambourine (sowohl Drumset- als auch Handheld-Tambourine mit Messing- sowie mit Stahl-Jingles)

Cymbals: Meinl

  • 10" Byzance Splash
  • 12" Byzance Splash
  • 14" Byzance Thin Crash

Electronic Percussion: Roland

  • HPD-15 Handsonic Drums (2x)
  • KD-120 V-Drum Kick-Pad

Monitor:

  • Oz Audio HM6 Qmix
  • In-Ear-Hörer

 

Das vollständige Interview lesen Sie in STICKS 02.2003; erhältlich ab dem 24. 01. 2003 im Zeitschriftenhandel und in guten Musikfachgeschäften.

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