
| Born to do it! Es gibt nicht sehr viele Musiker, die auf eine so konstante langjährige Karriere zurückblicken können wie Mickey Curry. Seit 1981 spielt er die Drums auf den Alben von Bryan Adams, seit 1987 ist er auch mit ihm auf Tour. Zuvor spielte er sieben Jahre lang Drums für Hall & Oates, mit denen er auch die musikalischen Highlights ihrer Karriere aufnahm. Klar, dass sie ihn auch zu den Aufnahmen ihres gerade erschienenen Comeback-Albums Do It For Love" einluden. Betrachtet man Mickey Currys Discografie so begegnet man einem weiten musikalischen Spektrum. Da finden sich Namen wie Tom Waits und Elvis Costello neben Celine Dion und Lara Fabian neben Alice Cooper und The Cult. Was macht Mickey Currys Grooves so attraktiv, dass ihn so viele so unterschiedliche Künstler immer wieder engagieren? Aufschluss gibt das Gespräch, das wir mit Mickey am Tag nach dem Konzert von Bryan Adams im März in der Kölnarena führten. Seit deinem letzten STICKS-Interview vor mittlerweile 11 Jahren ist ja wohl so einiges passiert in deiner Drummer-Karriere. Das ist schon 11 Jahre her? Unglaublich! Lass uns einfach mit den aktuellen Sachen anfangen. Bryan Adams neueste Produktion ist ja ein Soundtrack-Album ... ... ja Spirit, Stallion Of The Cimarron". Das ist ein Gemeinschaftswerk von Bryan und Hans Zimmer. Darauf sind sowohl einige typische Bryan Adams Songs als auch speziell für den Film komponierte Instrumental-Titel. Bryan bekam den Auftrag, mit Hans zusammen die Musik zu schreiben und aufzunehmen und da er das nicht ohne uns, seine Band, machen wollte, hat er uns da irgendwie reingemogelt. Das war echter Spaß, aber auch ein bisschen ... schwierig. Für mich war das mal was ganz Neues, denn ich hatte zwar schon so einige Songs für Filme aufgenommen, aber noch nie eine richtige Filmmusik. Das war eine ganz andere Arbeitsweise. Schwierig war es ein wenig wegen der exakten Zeiteinteilung der diversen Musik- bzw. Filmpassagen. Da gibts dann z. B. eine Passage von einer Minute und drei Sekunden train rolling down the hill auf die jetzt der Drum-Track genau on time zu spielen war. Und ich musste mich an das schnelle Arbeitstempo der Filmmusik-Leute beim Aufnehmen gewöhnen. Hilfreich war es da natürlich, dass es komplett ausnotierte Charts zu jeder Musiksequenz gab. Für Hans arbeiten ja mehrere Leute, die das alles gut vorbereitet hatten. Außerdem spielten wir die Aufnahmen ein, während wir die jeweilige Filmsequenz ansahen, was in Bezug auf Dynamik und Platzierung von Akzenten etc. sehr hilft. Und schließlich wurde ja auch alles später in Pro Tools bearbeitet. So gesehen war es also wenig Stress und mehr Spaß. Was die Songs zu diesem Film angeht, so hatten wir von jedem Song verschiedene Versionen aufgenommen. Es war interessant zu sehen, welche Versionen nun im Kontext funktionierten und welche nicht, welche Drumsounds passten und welche nicht. Insgesamt war es ein doch sehr langwieriger Prozess, und danach war mir auch klar, warum alle so ein hohes Arbeitstempo drauf hatten, sonst hätte es ja noch länger gedauert. Du kannst also gut Noten lesen? Nun, ich bin zwar nicht gerade großartig im vom Blatt spielen, aber ich kann einen Song-Chart schnell erfassen und verfolgen. Ich habe es nach einer leicht verunglückten Session für David Sanborn eine Zeit lang intensiv trainiert. Als ich zu dieser Aufnahmesession kam, legte mir David erst mal die komplett notierten Songs vor. Ich musste da zugeben, dass ich das nun wirklich nicht lesen konnte, doch David war wirklich cool und so haben wir es dann einfach ohne Noten probiert. Das hat aber leider auch nicht funktioniert, und so haben wir beschlossen, den Drum-Part zu programmieren. Der Song kam dann auch tatsächlich auf das Album, und später habe ich von David sogar eine Goldene Schallplatte bekommen. Diese Erfahrung hat mich allerdings dazu gebracht, mein Notenlesen wirklich auf Vordermann zu bringen, da ich ja viele Sessions spielte und so etwas nicht noch mal erleben wollte. War es denn bei den meisten Sessions überhaupt so, dass du Noten lesen musstest? Nein, eher sehr selten. Meistens gab es Song-Charts mit den Drum-Basics, an denen man den Songablauf verfolgen konnte. Für mich war es oft so, dass ich einfach nur den Song lernen musste. Die meisten Künstler haben ja Song-Demos anhand derer man gut herausfinden kann, was man machen kann, um den Song bezüglich der Drum-Parts passend zu gestalten. Oder es gibt sogar schon Basic Tracks, bei denen du dann einfach den programmierten Drum-Part abschaltest und dann zum Song spielst. Ich arbeite gern mit Song-Charts, da sie es viel einfacher machen, besonders bei der Vorbereitung auf eine Session. Aber ich denke, dass mich die meisten Leute auf Grund meiner Art zu spielen buchen, weil sie mich kennen oder zumindest mich schon mal gehört haben. Sie erwarten von mir, dass ich einfach weiß, was der Song erfordert, welche Sounds und Grooves, welches Bassdrum-Pattern an welcher Stelle passt oder geändert werden muss dass ich eben weiß, was am besten zum Song passt. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist allerdings auch, dass ich auf Grund meiner Persönlichkeit mit vielen Leuten gut klar komme. Spielst du eigentlich immer noch so viele verschiedene Sessions? Da ich seit einigen Jahren so intensiv mit Bryan beschäftigt bin, unser Terminkalender proppenvoll ist und uns zwischen den einzelnen Tour-Abschnitten nur wenig Zeit lässt, ist es deutlich weniger geworden. Ein weiterer Grund ist, dass ich die wenige freie Zeit lieber mit meiner Familie zu Hause verbringe, was mir auch wichtiger ist. Aber ich spiele nach wie vor gerne Sessions, und jedes Mal bedeuten sie eine neue Herausforderung. Interessant ist ja auch, dass beim Konzert gestern Abend die Band auch mit diesen Ecken und Kanten und sehr energiegeladen spielte. Man ist es ja heutzutage eher gewohnt, dass bei großen Produktionen alles exakt zu Clicktracks und Programmings gespielt wird ... ... das machen wir überhaupt nicht! Es war auch deutlich zu spüren, dass ihr eine Menge Spaß hattet. Und man konnte man sehen, wie du mit dem Bassisten so einige amüsierte Blicke gewechselt hast. Oh yeah! (lacht) Okay, Bryan ist auch so ein Typ, der großen Wert auf die momentane Performance legt. Er will zu jeder Zeit die volle Energie und Konzentration, aber es muss zugleich auch Spaß machen. Denn wenn es zu ernst wird, zu heavy, dann funktioniert es einfach nicht. Das ist dann kein Bryan Adams Konzert. Es gibt natürlich auch gewisse Insider- Witze. Norman und ich tauschen bei jeder passenden und auch unpassenden Gelegenheit gerade Cowbell Jokes" aus. Das geht auf eine Episode bei Saturday Night Live" zurück. Bryan mag es einfach, wenn wir auf der Bühne Spaß haben, solange wir halt die Songs gut spielen und er sie gut singen kann. Dann ist jeder glücklich. Welche Aufnahmen gehören zu den absoluten Highlights deiner Karriere? Oh, da gibt es so viele Songs ... außer den erwähnten Songs mit Elvis Costello und Richard Thompson auf jeden Fall die Songs mit Los Lobos und die ganzen Aufnahmen zum Into The Fire"-Album von Bryan, die wir mit Bob Clearmountain bei ihm zu Hause gemacht haben ... das Hey Stoopid"-Album von Alice Cooper war eine der angenehmsten und witzigsten Sessions, die ich je gemacht hatte ... so viele Songs von Hall & Oates, alles was ich zusammen mit T-Bone Wolk am Bass gemacht habe ... wenn ich mit ihm spiele, brauche ich mir keine Gedanken über Timing, Dynamik oder was auch immer zu machen, ich spiel einfach mit ihm und es kommt Musik dabei heraus. Ein neues Album von Hall & Oates ist gerade erschienen, und da bin ich auf etwa der Hälfte der Songs drauf. Wir waren eine Woche im Studio und hatten so viel Spaß. Besser kann es eigentlich nicht sein. Interview: Axel Mikolajczak EQUIPMENT Drums: Yamaha Maple Custom Absolute
Snaredrums: Yamaha
Hardware & Pedale: Yamaha Cymbals: Zildjian
Percussion:
Felle: Evans Snaredrums: Genera G1coated/Hazy 300 Toms: Genera G1 clear (top und bottom) Bassdrum: EQ 1 Das vollständige Interview lesen Sie in STICKS 05.2003; erhältlich ab dem 25. 04. im Zeitschriftenhandel und in guten Musikfachgeschäften. |
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