David Pätsch

Die musikalischen Akzente von Subway To Sally unterwerfen sich keinem gewöhnlichen Pop-Format: Dichtsägende Brettgitarren, diabolisch anmutende Vocals, Ultratiefdruckbässe und allerlei akustischer „Krötenzauber" von der Schalmei über die Laute bis zum Trumscheid verkünden Klangbotschaften auf dem Spaziergang durch die Welt einer renaissancegefärbten Dark Rock Music. Man begegnet kosmopolitischen Themen, die über das Maß der Alltäglichkeit hinauswachsen und jedem intellektuellen Bewusstsein einen Spiegel des Schockzustandes vorsetzen, während die Drums unaufhaltsam ihren Magic-Power-Schiebe-Puls in den Magen drücken.

Am Schlagzeug: David Pätsch. Ein außergewöhnlicher Typus Drummer, der sich mehr als intensiv mit der Thematik des Drummings auseinandergesetzt hat und gerne auch mal über den Tellerrand der Schlagzeugerwelt hinausblickt, um in einer freien Sicht der Dinge seine Overview-Perspektive zu nähren. Außergewöhnlich ist auch, dass David Pätschs Background in der „seriösen Ganz-Woanders-Welt" des Jazz zu finden ist und er sich dennoch des Double-Bassdrum-Pedals angenommen hat.

Die Zeichen stehen gut für Subway To Sally, denn mit ihrem aktuellen Album „Engelskrieger" rangierte die Band in den Top-10 der Deutschen Longplay Charts und gehört damit zur Riege der erfolgreichen Deutschen Rockbands.

 

Wie erklärst du dir den Erfolg eurer Band, die mit einem intelligent derben, dabei folkloristisch angehauchten Hardrocksound und anspruchsvollen Botschaften nun wirklich nichts mit dem üblichen Popschlagersäuseln zu tun hat?

Wir machen gute Liveshows und die Zuhörer genießen einen Abend voller Erlebnisse. Es ist nicht nur der Sound, die Musik, es sind die Lichter, die Musiker, es ist auch das Lebensgefühl und man bekommt eine visuell auf hohem Level arbeitende Show zu sehen mit einem echten Schlagzeuger, der sich den Arsch abspielt. Wir machen keine Musikermusik, sondern Menschenmusik.

Subway To Sally versteht sich als europäische Rockband mit einem Blick für die Ereignisse unseres Kulturkreis, sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit. Wir sind beeinflusst von keltischen Sachen, haben uns mit Mittelaltermusik befasst, mit Renaissance, Barock und Romantik bis hin zum englischen Punk. Diese prägenden Inputs transportieren wir mit unseren Visionen nach außen. Das ganze verbindet sich mit einem alternativen Lebensgefühl. Alternativ heißt aber nicht Birkenstock-Latschen! Wir befassen uns mit alternativen Themen wie zum Beispiel anderen Lebensformen, spirituellen Sichtweisen, wir denken über Konsumverzicht nach und über den Menschen mit all seinen Nöten und Ängsten. Wir sprechen Themen an, die über die
Tagespolitik hinausgehen, gesellschaftlich ungelöste Probleme wie Autoaggression, Sterbehilfe, Machtmissbrauch, Kinderprostitution etc. Und das ganze betten wir in eine zeitlose Sprache. Es ist unsere Sprache.

Aber wir geben auch Anstöße und bieten Perspektiven wie man anders leben kann, ohne dabei den belehrenden Zeigefinger zu heben. Wir reflektieren unsere Meinung und mit ihr finden sich viele unserer Zuhörer bei uns aufgehoben. So entsteht eine Gruppe, ein Fankreis und der Erfolg.

Du bist ein studierter Jazz-Musiker und hast den Spagat zum Hardrock vollzogen. Ein interessanter Gedankengang ...

... ich hab an der Hochschule in Berlin Popularmusik studiert im Fach Instrumentalsolist und parallel auch Diplom-Musikpädagoge studiert. Heute unterrichte ich noch zwei Tage an der staatlichen Musikschule in Berlin und arbeite mit den Studenten an studienvorbereitenden Maßnahmen. Ich weiß halt, was die Leute für die Hochschule brauchen, und ich bereite sie entsprechen vor. Früher spielte ich jede Menge Bigband-Musik, ich war in der Hochschul-Jazzband, hab’ außerdem Musicals gespielt, Hoteljobs gemacht und eigentlich das ganze Programm von den richtig bösen Mucke bis zu anspruchsvollen künstlerischen Sachen. Eigentlich hatte ich den Plan nach Graz zu gehen, um mich nochmals intensiv mit Jazz auseinander zu setzen. Außerdem war ich schon mit einem Bein in Los Angeles und wollte zur Music Academy. Aber dann bin ich zu Subway To Sally gekommen, obwohl ich nie zuvor diese Art harter Rockmusik gespielt, geschweige denn ein Double-Bassdrum-Pedal bedient hab.

War es für dich aufgrund deines Backgrounds nicht ein arger Stilbruch plötzlich in einem Hardrock-Umfeld zu arbeiten?

Damals war die Musik der Band noch exzentrischer und wesentlich eckiger. Ich habe versucht eine mehr groovigere Note einzubringen, zumal ich mich auch eher als groove-orientierten Drummer verstehe. Erstaunlicherweise konnte ich meinen Background – was Timing-Auffassung angeht – 1:1 von der Jazzmusik übernehmen und in die Rockmusik übertragen, eben das Feel, eine Bigband mit einer auf „2 und 4" akzentuierten Ride-Figur anzutreiben. Natürlich ist die Dynamik eine andere, die Lautstärke und auch die Sound-Verhältnisse sind anders. Trotzdem ist das Gefühl der Intensität, diese schiebende und druckvolle Kraft für mich genau die gleiche. Es war nur eine totale stilistische Umstellung was Fill-ins angeht und überhaupt auch das ganze Auftreten und die physische Präsenz. Was wir mit Subway To Sally machen ist eine regelrechte Show, und Rockmusik hat sehr viel mit Live-Performance zu tun ...

 

Equipment

Drums: Tama Starclassic Performer

Hardware: Tama Power Tower Rack

Pedale: DW

Cymbals: Paiste Signature Serie

Effects: Remo Spoxe

Felle: Evans

Sticks: Promark 5A Hickory

Elektronik:

  • Yamaha DTXPress Soundmodul
  • poleKAT Trigger-Pads

In-Ear-Monitoring:


  • Shure Bodypack Receiver P6 HW
  • Shure E1 Hörer
  • Yamaha O1V Digital Mixing Console
  • Yamaha P4500 Power Amp
  • Emphaser/Paraseat Bass-Shaker (2 x)

www.subwaytosally.de

Das vollständige Interview lesen Sie in STICKS 06.2003; erhältlich ab dem 30. 05. im Zeitschriftenhandel und Musikfachgeschäften.

 

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