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Igor Cavalera ist jetzt 32 Jahre alt, stammt aus Belo Horizonte in Brasilien, ist verheiratet, hat drei Kinder und wurde weltweit berühmt durch die populärste brasilianische Metal-Band namens Sepultura. Dieser Formation gelang es, ihre musikalischen Visionen von einer Welt ohne Kriege und für Freiheit und Toleranz überzeugend umzusetzen – wenngleich auch auf brutal laute Weise, durch die Verschmelzung von Metal mit Breakbeats, Hardcore und sogar World Music. Ähnlich radikal äußert sich auch Igor selbst, wenn er sagt

„I’m the kind of person who likes music - I don’t like musicians! Ich verabscheue Musik für Musiker. Ich finde, dieses ganze Geschwafel von wegen Virtuosität ist nichts weiter als Geschwurbel, ich hasse dieses elendige Gewichse! Um so weniger Gitarrensolos - desto besser für mich!"

Rechtzeitig zur Veröffentlichung des neuen Sepultura-Albums „Roorback" hat sich Bruno Kassel für STICKS mit dem reichlichst tätowierten brasilianischen Metallarbeiter zum Interview getroffen.

Igor, worin besteht aus deiner Sicht als Drummer der Unterschied des neuen Sepultura-Albums „Roorback" im Vergleich mit euren früheren Platten?

Na ja, es ist wohl weitaus direkter als unsere vorherigen Platten, weil die Songs selbst irgendwie von alleine entstanden sind, ohne einen vorher ausgeklügelten Plan. Jede unserer Platten ist eine Reflektion unserer augenblicklichen Gefühle, daher hat die neue CD „Roorback" auch wieder eine Menge Energie und eine Menge Aggression. Es ist ein wirklich überaus direktes Album, bei dem unsere Aufmerksamkeit bei jedem Song auf eine bestimmte Attitüde gerichtet ist. Aus meiner Sicht ist das der wichtigste Unterschied zum vorausgegangenen Album „Nation", bei dem ich mich in meinem Drumming mehr darauf konzentrierte, auf die Gitarren oder die anderen Instrumenten einzugehen, während ich auf der neuen Platte total aus dem Bauch heraus getrommelt habe, einfach nur nach vorne, ohne lange zu überlegen. Mein Drumming sollte so stark wie möglich rüberkommen, und so direkt wie möglich, ohne zu viel Zeit in langes Nachdenken zu verschwenden. Es war wohl mehr eine Sache des Instinkts als langwieriger Überlegungen.

Was kam denn bei „Roorback" zuerst zustande, wie habt ihr komponiert? Gab es zuerst ein Gitarren-Riff, oder eine Hookline, oder standen gar gewisse Drum-Grooves am Beginn eines Songs?

Es ist verrückt, aber Sepultura ist eigentlich eine Art von Percussion-Band, weil jedes Band-Mitglied über viele Erfahrungen mit denunterschiedlichsten Drums und Percussion-Instrumenten verfügt. Insofern ist Sepultura eine sehr ungewöhnliche Band, weil es oft so läuft, dass irgendein Musiker aus der Band
einen bestimmten Drum-Beat im Kopf hat, und dann formiert sich plötzlich ein Song um diesen Beat herum.

Wir sind sicherlich mehr an den Drums oder an bestimmten Beats orientiert als eine der herkömmlichen Rock- oder Metal-Bands, indem wir irgendein Drum-Pattern adaptieren oder uns an einem speziellen Pattern orientieren. Das ist eine Herausforderung für jeden von uns, weil jeder in dem Moment, wo er sein Instrument in die Hand nimmt, ein breites Verständnis hat für die rhythmische Basis, die einem Song zugrunde liegt. Die anderen lieben die Drums, und deshalb gibt es ihnen auch die Möglichkeit, ganz anders an ein neues Stück heranzugehen. Andreas, unser Gitarrist, steht beispielsweise überhaupt nicht auf lange und komplizierte Scales, stattdessen konzentriert er sich lieber ähnlich einem Percussionisten auf Sounds und andere kreative Ideen ...

interview und fotos: bruno kassel

 

Die vollständigen Interviews lesen Sie in STICKS 07.2003; erhältlich ab dem 27. 06. 2003 im Zeitschriftenhandel und Musikfachgeschäften.

 

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