
| Geb.: März 1968 in
Kronstadt/Siebenbürgen Wohnort: Eningen Musikalische Ausbildung: ab 1986 Schlagzeug-Unterricht bei Joachim Fuchs, 1988 1. Preis Jugend musiziert (Schlagzeug-Duo), Mallet- und Percussion-Untericht, ab 1988 Unterricht bei Hans-Peter Becker an der Modern Drum School in Idar-Oberstein, ab 1990 Unterricht bei Cloy Petersen am drummers focus in München und bei Andy Witte am drummers focus Stuttgart, Kontaktstudiengang Popularmusik an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg bei Prof. Udo Dahmen, Diplom-Lehrgang Schlagzeug im Unterricht an der Musikakademie in Trossingen Credits: Maryland Showband, Heino, Angelika Milster, Fernsehballett des MDR, Geschwister Hofmann, Jeff Mezzrow, Chris de Burgh, Tom Jones, Mara Kaiser, Franz Bauer, Mr. Booze, Hank Häberle jr. u.v.a. Aktuelle Band: Full House Family Harald Wester ist wohl das, was man früher gern als einen Tausendsassa oder Hans Dampf in allen Gassen bezeichnet hätte. Der 34jährige Musiker ist nicht nur als Drummer und Schlagzeuglehrer tätig, sondern fungiert darüber hinaus auch noch als Bandleader, Manager und Booker seiner eigenen vielbeschäftigten Band Full House Family, betreibt ein kleines, aber feines Tonstudio und betätigt sich auch als Erfinder interessanten Drum-Zubehörs: Sein patentiertes Snare n Roll-System (Report auf Seite 34 dieser STICKS-Ausgabe) hat bereits für so einiges Aufsehen gesorgt, und weitere interessante Projekte sind schon in Arbeit. Harry mag es gerne schnell zumindest gehören schnelle Autos, Motorräder und Motorboote zu seinen Hobbies, ebenso die Fliegerei. Nur beim Schlagzeugspielen gibt es für ihn viel wichtigeres als Geschwindigkeit ... ... meinen Auftrag als Drummer bezeichne ich gern als klare Zeitansage. Meine Aufgabe ist es, den Mitmusikern und auch dem Publikum bzw. den Tänzern ganz klar zu vermitteln, wo es groovemäßig langgeht. Sicher hat es auch für mich eine Zeit lang gedauert, diese Einstellung zu finden, doch mittlerweile spiele ich lieber eine straighte 4-on-the-floor-Bassdrum und vermittle so ein Gefühl der musikalischen Sicherheit was wiederum ein relaxtes Spielen möglich macht als mich in technischen Kapriolen zu verzetteln und damit dann Band und Publikum zu verunsichern. Wenn man sich die Stationen Deiner musikalischen Ausbildung ansieht, dann kann man aber schon sagen, dass Du auch ein technisch sehr versierter Drummer bist. Als ich mich für den Kontaktstudiengang Popularmusik beworben hatte da gab es pro Jahr ja nur 5 Ausbildungsplätze für Drummer, die waren heißbegehrt da habe ich einige Playalongs von Dave Weckl vorbereitet, etwas in 7/8 und den Song Spur Of The Moment, das hat dann gerade so gereicht. (lacht) Technik ist also für mich durchaus kein Fremdwort. Aber reine Technik ist ja noch lange kein gutes Musizieren. Jedenfalls war dieser Pop-Kurs für mich eine sehr wichtige Station in meiner Ausbildung, da man dort 2 mal 3 Wochen lang von morgens bis abends voll in der Materie drin ist. Da machst du alles: Morgens um 9 Uhr gehts los mit Body-Training, dann Groove-Training ab 11, dann Unterricht beim Schlagzeuglehrer, dann lernt man etwas über vertragsrechtliche Angelegenheiten, GEMA, GVL, also auch Sachen, die erst mal nicht so offensichtlich mit dem Schlagzeugspielen zu tun haben ... ... die Dir aber eine ganz andere Perspektive des Berufs Musiker vermitteln. Genau. Das Musikerdasein wird eben als Beruf vermittelt und die Rahmenbedingungen werden deutlich gemacht. Viele meinen ja, wenn du gut spielst, dann wirst du ein Star. Du musst aber auch wissen, wie man Kontakte zur Außenwelt herstellt, wie du dich selbst vermarktest, dich selbst und deine Leistung an den Mann bringst. Dieser Studiengang war wichtig, weil dort beides Schlagzeugspielen und Musikbusiness gleich stark berücksichtig wurden. Da wurde übrigens auch Gesang für Nicht-Sänger angeboten. Das ist gerade für uns Schlagzeuger interessant, da haben wir sicherlich Nachholbedarf. (lacht) Wenn man Gesang bzw. Sänger und ihre Technik versteht, dann kann man sich schließlich als Drummer auch besser auf sie und ihren Groove einstellen. Eine wichtige Abrundung meiner Musiker-Ausbildung war auch der Lehrgang Schlagzeug im Unterricht in Trossingen. Da habe ich dann Methodik und Didaktik im Unterricht, Musiktheorie, Gehörbildung, Pauken, Kleine Trommel, Stabspiel-Instrumente und Latin-Percussion gelernt eben Sachen, die ein bisschen auf der Strecke bleiben, wenn man kein klassisches Studium absolviert. Das war auf jeden Fall eine ideale Ergänzung zu meinen Drumset-Studien an der Modern Music School und am drummers focus. Zwischen und auch während dieser ganzen Studien-Stationen habe ich natürlich auch immer in sehr vielen Bands gespielt, mit einer großen stilistischen Bandbreite. So habe ich z. B. mit Hank Häberle jr. schwäbische Country-Musik gespielt das war vor einigen Jahren hier regelrecht Kult Rock-Musik, Jazz/Fusion, viel Tanz-Musik und volkstümliche Musik also die dienlichen Dinge. Damit meine ich die Jobs, wo du einfach einen fetten Ordner mit Noten bekommst, und dann musst du eben sehen, wie du da durchruderst. (lacht) Da kannst du nicht mal eben zum Künstler gehen mit Fragen wie ... tja, äh, gehts da eigentlich gleich in die Klammer 2, oder ... die wissen das ja oft selber nicht! Natürlich kannst du den Musical Director fragen, wenn es denn einen gibt, aber jede Frage kann auch so verstanden werden, dass du der Sache nicht gewachsen bist. Dann kommt der nächste Anruf eben nicht. Und du hast live auf der Bühne im Gegensatz zum Studio nur einen Take, und der muss sitzen. Wenn nicht, hast du spätestens hinterher in der Garderobe ein richtiges Problem: Was war da los, Harry? Tja, ähem, ich hab die Klammer 2 übersehen. (lacht) Bei den großen Shows, wie z. B. bei den vorletzten beiden Tourneen, die jeweils 38 Shows in 3 Monaten bedeuteten, als wir in Hallen wie der KölnArena, im ICC Berlin und der Dortmunder Westfalenhalle gespielt haben, da sind oft auch Moderationsstichworte für die Musikeinsätze vorgegeben. Da steht dann z. B. Rote Rosen und bei dem Wort Rosen musst du dann einzählen, oft nicht einfach 1-2-3-4, manchmal eben auch 3-4-1-2 weil die Trompeten auf 3 einen Auftakt haben. Und das muss jeden Abend akkurat kommen und zwar genau Tempo 118, wenn das da steht. Da nimmt man dann auch besser nicht so ein kleines Metronom mit, sondern doch lieber ein amtliches Teil wie die Tama Rhythm Watch. Man sollte also schon sehr gut vorbereitet sein, um stressfrei arbeiten zu können. Manchmal war das der pure Stress. Ich saß dann manchmal da und dachte. Harry, das hast du doch immer gewollt. Du wolltest doch in den großen Hallen spielen, einen Deal haben, eine Company, die dir die Drums hinstellt, einen Techniker, nicht mehr selber zum Gig fahren müssen, in guten Hotels wohnen ... all das, wovon man immer meint, wenn man das erreicht hat, dann fängt das lockere Leben an eben nicht! Nun hatte ich endlich meinen Deal, und die Firma M&T hat mir nicht nur das Equipment gestellt, sondern mich während der ganzen Tour auch noch super betreut, was vieles erleichtert hat. Aber wenn du dann da auf der Bühne bist, dann musst du den Job hundertprozentig konzentriert und korrekt abliefern. Wenn dann die Moderatorin jeden Abend die Roten Rosen an einer anderen Stelle sagt, oder gar noch einen Satz danach sagt, dann war dein Einzähler eben falsch. (lacht) Da musst du unheimlich aufpassen, denn alle hören auf dich. Wenn du Glück hast, hast du es gerade noch gemerkt und nur zwei mal mit den Sticks geclickt die ganze Band guckt dann zwar komisch und einige kriegen fast einen Herzanfall vor Zigtausend Leuten. Klar, die Moderatorin entschuldigt sich natürlich hinterher in der Garderobe bei dir, aber in dem Moment ist es dein Fehler und du sitzt da auf dem heißen Stuhl. Übrigens, von Heino hatte ich ja sonst was erwartet, aber sicher nicht das, was dann tatsächlich auf mich zukam: total ausgecheckte Arrangements, u.a. für einen fünfköpfigen Bläsersatz, und für einen Drummer wirklich knackiges Material! Blau blüht der Enzian mit 1/16-Funk-Groove! Richtig geile Dinger und viele Fill-ins, ein Medley mit tollem Bigband-Arrangement, feine Kicks zusammen mit den Bläsern das war klasse! Der Musical Director Rolf Becker hat da einige Sachen so Earth, Wind & Fire-mäßig arrangiert umwerfend! Und dann erst die menschliche Komponente. Bei so einer Show hast du ja mit den unterschiedlichsten Charakteren zu tun, und du bist da nicht wie bei einer Rock-Band auch einer der 5 Stars, sondern du bist absolut Dienstleister. Du musst funktionieren wie ein gutes Getriebe. Und du darfst auch nicht stur an den Noten kleben, sondern musst auch auf die Tagesform der Künstler einsteigen können. Wenn da Tempo 120 steht und der Künstler fühlt das einen Abend bei Tempo 115, weil er schlecht geschlafen hat oder sonst was, und er gibt dir ein Zeichen, dann musst du das genau so spielen wie er es will. Und es ist schlicht und einfach dein Job, den Leuten das recht zu machen. Heino war jedenfalls am unkompliziertesten von Allen. Der kam jeden Abend auf die Bühne und war super drauf, hat jeden Musiker angegrinst und jeder wusste: Alles klar! Jetzt spielen wir dieses 15-Minuten-Medley von Hits, bei dem du 12 Seiten Noten umzublättern hast, und geben alles. Schon bei den Proben hat er mir gesagt: Junge, hau rein, das gefällt mir so! Und da wusste ich, dass ich für ihn Hundertprozent Energie gebe. So eine tolle Art, Musiker zu motivieren, habe ich nur selten, sehr selten erlebt. Die beiden großen Tourneen in den letzten Monaten waren eine sehr lehrreiche Zeit, aber ich habe dann doch entschieden, zunächst mal wieder hier zu sein, meine kleinen Produktionen hier in meinem Studio zu machen und auch Unterricht zu geben, schließlich habe ich hier eine gut laufende Schlagzeugschule mit über 40 Schülern. Dann gab es noch 2 Tourneen, eine nach Indien und eine durch Polen, die aber jeweils nur aus 12 Shows bestanden. Das war also überschaubar und bedeutete nicht zu viele Ausfallzeiten für meine Schlagzeugschüler. Aber du spielst doch auch noch weiter Gigs, zumindest hier in der Region mit diversen Bands ... ... ich habe ja vor 3 Jahren auch meine eigene Band Full House Family gegründet. Unser Debüt hatten wir auf dem Landespresseball. Das war und ist immer noch eine weitere interessante Erfahrung, die eigene Band mit eigenem Programm zusammenzustellen und sich der Aufgabe zu stellen, nicht nur Musiker, sondern auch das Bindeglied zwischen Veranstalter und Band zu sein. Ich habe also diese 12-köpfige Band zusammengestellt, wir haben hier in meinem Studio ein aussagekräftiges Demo gemacht, ich habe von einem Freund die Bläser-Arrangements schreiben lassen, dann haben wir hier ziemlich strenge Proben gemacht, dann die ersten Gigs gespielt und uns in der Szene etablieren können. Das war jedenfalls ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt, diese eigene Band auf die Beine zu stellen und auch mal die andere Seite des Geschäfts zu betreiben. Bis dahin wurde ich ja immer nur angerufen, wenn jemand einen Drummer brauchte, und seitdem ruft man hier auch an, wenn man eine Band für Galas, Präsentationen und Events braucht. Und dann gehts los für mich: Welche Musiker sind zu dem Termin frei? Welches Song-Material spielen wir? Brauchen wir da noch eine Probe? Welche Beschallung wird gebucht? In Absprache mit dem Veranstalter gehe ich dann den Ablaufplan durch. So lernt man die Szene mal von der anderen Seite kennen. Und auch die Musiker-Kollegen erfährt man aus einer ganz anderen Perspektive, wenn man für so ein Projekt die Verantwortung übernimmt. Ich versuche auf lange Sicht zu planen. Schneller Reibach ist nur von kurzer Dauer. Wenn man sich aber in jeder Beziehung korrekt und verantwortungsbewusst verhält, dann ist das wie eine Lebensversicherung. Dann wird man auch noch in 10 oder 20 Jahren gut zu tun haben. Bei all diesem Arbeitspensum ist es ja erstaunlich, dass Dir überhaupt noch Zeit für Deine Hobbys bleibt. Die sind aber wichtig, um zur Musik und zum Business einen entspannenden Ausgleich zu haben. Doch noch viel wichtiger ist mir meine Familie. Ich bin seit einigen Monaten auch stolzer Papa meines Sohnes Lewin, und der ist jetzt mein größtes Hobby. Ich kann glücklich sein, so viel musikalisch erlebt zu haben, meine Band, mein Studio, meine Schule und meine Hobbys zu haben aber Vater zu sein ist der beste Grund, wirklich glücklich zu sein. Equipment Drums:
Cymbals: Sabian Felle: Remo Sticks: CM Joysticks MFV 5A Website: www.harrydrum.de
Das Interview lesen Sie in STICKS 10.2003, erhältlich ab dem 26. 09. im Zeitschriftenhandel und in Musikfachgeschäften.
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