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Studium an der Pop-Akademie Baden-Württemberg
Ein Interview mit Prof. Udo Dahmen

Wer als Pop-Musiker Erfolge feiern oder in der Musikbranche arbeiten will, kann die Grundlagen dafür nun in einem Studiengang an der Pop-Akademie Baden-Württemberg legen. Die bundesweit einmalige Einrichtung bietet seit dem letzten Jahr staatlich anerkannte Abschlüsse für Berufe in der Musikbranche an. Nun beginnt die Bewerbungsfrist für das nächste Semester. Wir sprachen dazu mit dem Leiter der Pop-Akademie Prof. Udo Dahmen.

Udo Dahmen: Die Pop-Akademie arbeitet im Aus- und Weiterbildungsbereich für populäre Musik und kümmert sich auch um den Komplex der Existenzgründung.

Wir bieten zwei verschiedene Studiengänge an: Einmal den Studiengang Popmusikdesign, der sich an Producer, Songwriter, Instrumentalisten und Sänger wendet, und zum zweiten den Bereich „Musikbusiness", in dem zukünftige Verwerter ausgebildet werden, z. B. A&R-Manager bei Labels, Marketing-Manager etc.

Die beiden Studiengänge sind miteinander verzahnt, d. h. bestimmte Anteile des Studiums werden gemeinsam absolviert. Wir wollen erreichen, dass die Musiker mehr vom Business verstehen und die zukünftigen Verwerter mehr über Musik wissen.

Jede Band ist im Prinzip ein Unternehmen, das auch nach solchen Gesichtspunkten geführt werden muss. Im Zentrum steht die Idee, die Kreativität, aber die muss auch ihren Platz im Markt finden.

 

Wie ist der Status der Pop-Akademie? Ist dies eine Hochschule?

Wird sind eine Public/Private-Partnership. Die Abschlüsse sind die im Range einer künstlerischen Hochschule des Landes Baden-Württemberg, das zusammen mit der Stadt Mannheim Mehrheitsgesellschafter der Akademie ist.

 

Wer ist sonst noch Gesellschafter?

Der SWR, die Universal Music Group, ein Mannheimer Unternehmenskonsortium unter der Leitung von Radio Regenbogen und die Landesanstalt für Kommunikation (LFK), das ist der Dachverband als privaten Rundfunk- und TV-Anbieter. In Kürze kommt noch Xavier Naidoo hinzu. Dazu gibt es außerdem Projektpartner, wie die Deutsche Phonoakademie, MTV und die IHK Rhein-Neckar.

 

Welchen Abschluss kann man nun genau machen?

Wir vergeben den Bachelor, d. h. das Studium läuft 6 Semester, wobei das 3. und 5. Semester Praktikumssemester sind.

 

Was sind die Studienvoraussetzungen? Muss man Abitur haben, um Pop-Musiker zu werden?

Für den Pop-Musiker gilt das nicht unbedingt. Dafür gibt es eine Begabten-Sonderprüfung. Für den Business-Bereich ist das Abitur Pflicht.

 

Muss der Bewerber ein Instrument spielen können?

Das ist im Pop-Design eine Kernkompetenz. Aber das Berufsbild des Musikers hat sich stark verändert. Neben den Instrumentalisten und Sängern haben wir es vermehrt mit Producern zu tun, die am Computer Musik machen, mit Singer/Songwriter und DJs. Jeder wird in seiner Kernkomptenz bewertet, wobei Musiker, die selbst schreiben, einen großen Vorteil bei uns haben. Jeder reine Instrumentalist, der sich bei uns vorstellt, muss schon verdammt gut sein, denn er dient ja quasi als Dienstleister für die anderen Gruppen. Er muss sich auf alle Fälle am kreativen Prozess beteiligen.

 

Noch mal nachgehakt – hat ein Musiker ohne Schulabschluss Chancen aufgenommen zu werden?

Da gibt es schon Einschränkungen. Dazu gehört schon sehr viel Talent und der Nachweis gewisser intellektueller Fähigkeiten, weil wir im theoretischen Bereich Ansprüche auf Hochschulniveau erheben. Es werden Klausuren und Semesterarbeiten geschrieben, die vom Businessplan bis zur Musikgeschichte reichen.

 

Ist es nicht irgendwo ein Widerspruch, Abitur zu haben, um Pop-Musik zu machen?

Ich sehe dies nicht so. Auch in der „freien Wildbahn" setzen sich die durch, die das größte Talent haben. Und dazu gehören auch gewisse analytische Fähigkeiten der eigenen Möglichkeiten und daraus folgend die Umsetzung.

 

Wäre also ein John Bonham in die Akademie aufgenommen worden?

Mit Sicherheit ja, da Originalität ein wichtiges Kriterium ist. Und seine instrumentalen Fähigkeiten sind ja nun unbestritten.

 

Wie bewirbt man sich? Die Zusendung des Abiturs-Zeugnis dürfte wohl nicht ausreichen?

Das Bewerbungsprozedere läuft in zwei Stufen ab. Im Bereich Pop-Design schickt man zunächst eine CD mit drei Stücken ein, bei Producern sind es fünf. Zusammen mit den anderen Unterlagen, die man sich im Internet downloaden kann, wird entschieden, wer zur Aufnahmeprüfung zugelassen wird. Dies sind dann in der Regel 80 Bewerber, die dann ihre Fähigkeiten demonstrieren müssen. Dazu kommt eine theoretische Prüfung, die musikalisch und popmusikgeschichtlich orientiert ist. Außerdem ein Kolloquium, in dem wir z.B. Intention und Motivation klären. Gegebenenfalls kommt dann noch die mündliche Begabtensonderprüfung hinzu.

 

Sind instrumentale Fähigkeiten Voraussetzung für den Bereich Pop-Business?

Aus der Erfahrung heraus kann man sagen, dass viele Leute, die sich dafür interessieren, selbst Musiker sind. Sie müssen allerdings kein Instrument spielen können, sondern sich mehr mit dem „Wie" beschäftigen. Dazu gehört Wissen über Pop-Geschichte, Produktionsweisen, wie Pop-Songs aufgebaut sind, Repertoire-Kenntnisse, Komposition etc.

Konkret referieren Leute wie Florian Sitzmann, Michael Koschorrek (Söhne Mannheims), Edo Zanki u. a. darüber, wie sie Songs schreiben und produzieren, Uns ist wichtig, dass die Business-Leute mehr über die Arbeitsweise der Musiker und Komponisten lernen. Nur dann können sie später mit ihren Künstlern auf gleicher Augenhöhe sprechen. Produktionen können dann z. B. entsprechend fachmännisch bewertet werden eben nicht nur mit dem entsprechenden „Bauchgefühl".

 

Eine Frage hast du im Grund schon beantwortet und zwar die, wer die Referenten sind ...

... wir haben einen großen Referenten-Pool, der aus namhaften Produzenten und Musikern bis hin zu Xavier Naidoo besteht; u. a. sind Dozenten bei uns: Wir sind Helden, Smudo, Tim Renner, Heinz-Rudolf Kunze, Pe Werner, Edo Zanki, Thomas „Lui" Ludwig, Peter Wölpl, Jam von Jam & Spoon, T.M. Stevens, Henning Rümenap (Guano Apes), Benjamin v. Stuckrad-Barre und viele andere.

Als Gastdozenten für den „Schlagzeug-Bereich" haben wir u. a.  Benny Greb, Claus Hessler, Dom Famularo und Prof. Michael Küttner sowie Lui Ludwig schon während der „Teacher-Tage" dabei gehabt, angefragt sind außerdem Ralf Gustke und  JoJo Mayer, diese sind allerdings noch nicht bestätigt. Wir sind da sehr gut aufgestellt.

Gleiches gilt eigentlich auch für den Business-Bereich. Auch da haben wir die wichtigsten Leute aus der Praxis wie Jörgen Larsen (CEO Universal) oder  Balthasar Schramm (CEO Sony Music) aber auch Peter James (German Sounds) und viele andere.

 

Das klingt sehr praxisorientiert und danach, dass die Industrie endlich darauf setzt, gut geschulte Leute auf die entscheidenden Positionen setzt.

Sicher, das Studium ist sehr praxisnah und setzt stark auf Projekt- und Teamarbeit. Die Dozenten sind nicht fest angestellt, da sie aus der Praxis kommen, verfügen sie auch nicht über die Zeit. Gerade dadurch sind wir auch sehr flexibel und am Puls der Zeit. Wir holen uns immer wieder neue Dozenten aus der ersten Reihe der jeweiligen Praxisfelder.

 

Wie hat man sich die Prüfungen während des Studiums vorzustellen?

Das ist sehr unterschiedlich und hängt vom Themenkurs ab. Wir haben gerade ein Projekt unter der Bezeichnung „Wie baue ich einen Act auf" abgeschlossen. Am Ende stand eine Projektpräsentation. Dazu haben verschiedene Bands in einem Club gespielt, die dann von verschiedenen Projektgruppen betreut wurden. Da galt es zunächst zu analysieren, wo die Band steht, wie sie stilistisch einzuordnen ist etc. und dann eine Vision zu entwickeln, wie diese z. B. zu vermarkten ist. Der zweite Themenkurs befasste sich damit, wie man einen Hit schreibt, was in einer Klausur endete.

 

Wer war der Dozent – Dieter Bohlen?

Nun ja, der Titel klingt reißerisch, es ging allerdings mehr darum die ganze Produktionskette zu kennen und darzustellen. Und dies gelingt am Besten am Beispiel eines Hits, weil da die Formate klar sind. Dazu kommt Trendforschung. Pop-Musik lebt von gewissen Standards, aber gleichzeitig setzt ein Standard den Bruch eines alten Standards voraus. Pop-Musik lebt vom Bruch der Tradition. Es gilt etwas, was man kennen muss, um es brechen und anders machen zu können. Diese Zusammenhänge aufzuzeigen, ist ganz wichtig. Die Leute sollen lernen, dass 08/15 nicht funktioniert, sondern das gewisse „Regelverstöße" u. U. zum Erfolg führen können.

 

Sind 6 Semester die Regelstudienzeit oder könnte man auch verlängern?

Wir wollen die Studenten schon in der angegebenen Zeit durchschleusen. Darüber hinaus gibt es nur sehr begrenzte Möglichkeiten. Wir möchten unbedingt, dass die Studenten nach drei Jahren in die „freie Wildbahn" kommen, denn dafür bilden wir ja aus. In der Pop-Musik ist der Faktor Zeit sehr entscheidend. Für einen Musiker ist es da schon sehr schwierig älter als 25 Jahre mit der Karriere zu starten. Im Business-Bereich ist es nicht ganz so extrem. Aber mit 28 als A&R-Manager anzufangen ist fast schon zu spät.

 

Gibt es Studiengebühren?

Die liegen bei 500,– EUR je Semester, wobei die Studierenden, die BaföG berechtigt sind, keine Gebühren zahlen müssen.

 

Wie viele Studienplätze bietet ihr an und wie viele Bewerbungen kommen rein?

In der ersten Phase hatten wir über 700 Bewerbungen bei 55 Studienplätzen, wobei beide Studiengänge paritätisch besetzt wurden.

 

War es leicht, die 55 aus den 700 Bewerbungen herauszusuchen, oder war der Standard insgesamt recht hoch?

Die Streuung war beim Pop-Design höher als im Business-Bereich. Der Standard war recht hoch, es gab eigentlich nur einen geringen Anteil derjenigen, die gar nicht in Frage kamen.

 

Heißt „Pop"-Akademie, dass „Jazzer" keine Chance haben?

Wir interpretieren „Pop" als populäre Musik im weitesten Sinne, das reicht vom Jazz bis Dance/Trance. Ich glaube, dass neue Trends aus Nischen entstehen und da kann es keine stilistische Einschränkung geben. Ich sehe dies auch als eine Art „melting pot", in dem Leute aus verschiedenen Genres auf hohem Niveau aufeinander treffen, kann etwas Aufregendes entstehen.

 

Wann läuft die Bewerbungsfrist für die nächste Runde ab?

Man kann sich ab sofort bewerben, die Frist läuft am 30. 04. 2004 aus. Alles, was man dafür benötigt, findet man im Internet unter www.pop-akademie.de


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