Der Trainer

Name: Detlef Hinze
Geb.: 15. 12. 55
Wohnort: Heiligenhaus
Credits: Rocktheater N8chtschicht, div. Bluesbands, 3 Knebel-CDs, stetige Radio- und TV-Präsenz
Vision: Das Affentheater geht weiter!

Comedy-Shows haben Hochkonjunktur, und das „Herbert Knebel"-Ereignis gehört ohne Zweifel zur besten Live-Performance dieses Genres. „Herbert Knebels Affentheater" gestaltet sich als heiteres Spektakel aus Ruhrpott-Kultur („Boh glaubse"!) und gemeinem Witz mit überraschenden Momenten persiflierter Schlager-, Rock- und Punk-Musikszenen. Eine oscarverdächtige Rolle spielt dabei „Der Trainer", alias Drummer Detlef Hinze, in der tragisch-komischen Figur des ungelenken, opahaften Comedy-Trommlers. Daß er sehr wohl sein Handwerk beherrscht, das zeigt die groovige Raffinesse, die im Rahmen der Darstellung des Unbeholfenen sehr hohe Anforderungen an das musikalisch-schauspielerische Talent stellt, um in der Glaubwürdigkeit der gelungenen „Trainer-Rolle" mit Filzhut und Kassengestell zu brillieren.

 

Der ambitionierte „Vollblut-Schlagzeuger“ wäre beim „Affentheater“ deplaziert. Ist das für dich als doch eigentlicher „Trommler mit Herz“ kein problematischer Zustand?

Das Schlagzeug hat hier einen ganz anderen Stellenwert als in einer herkömmlichen Konzertsituation, denn das Publikum beurteilt mich nicht danach, wie gut oder gar virtuos ich bin, sondern wie witzig ich spiele. Wir kombinieren Musik mit gespielten Szenen, und ich sitz' auch absichtlich verkrampft hinterm Set als darstellender Teil meiner Rolle. Sobald ich Hut und Brille aufsetze bin ich „Der Trainer", das ist eine geschworene Einheit.

Als Drummer hast du dir aber schon vor der „Knebel-Zeit“ einen Background erarbeitet und dich intensiv mit dem Schlagzeugspielen befaßt?

Richtig, doch das Schlagzeug war in Wirklichkeit nicht mein allererstes Instrument. Angefangen habe ich mit Gitarre, auch hab’ ich mich als Bassist versucht, und mit zwei Saiten weniger kam mir das damals sehr entgegen. Als ich das erste Mal in meinem Leben einen Trommler so richtig bewußt und live gehört oder vielmehr erlebt hab’, da gingen bei mir die Lampen an! Ich war zwar schon 28 Jahre alt, aber in dem Moment wollte ich Schlagzeuger werden.

So mußte ich alles aufholen, hab’ täglich bis zu sechs Stunden geübt, mir alles reingezogen, Konzerte besucht, Musikbücher gelesen, andere Drummer studiert – und zweifelte aber gleichzeitig an mir, ob ich nicht doch noch Lehrer werden solle. Im nachhinein war das Üben sehr uneffektiv, denn von sechs Stunden waren fünf „für die Nüsse". Mir fehlten die wichtigen Jahre, etwa die zwischen 14 und 20, während denen man lernt, wie man lernen muß. Jeden Abend hab’ ich über die Ergebnisse und das Fortkommen meines Übeprogramms nachgedacht, schließlich hatte ich Hals über Kopf den bürgerlichen Berufsweg abgebrochen, für mich gab’s keine Alternative mehr. Also setzte ich mich selber unter den Druck, ein guter Schlagzeuger zu werden.

Nach einer Bluesband und anderthalb Jahren „Rocktheater N8chtschicht" begann ich bei „Herbert Knebels Affentheater". Glücklicherweise hat sich nun meine eigene Streß-Situation erübrigt, denn das Glück des Tages hängt für mich nicht mehr vom Erfolg des Übeprogramms ab.

Ist „Der Trainer“ in seiner Darstellung eine Figur, die eigentlich gar kein Schlagzeug spielen kann? Eigentlich ein Kuriosum in Anbetracht deines Engagements.

Die Wirkung geht ganz klar in diese Richtung, ich verhalte mich auch sehr komisch am Set und mach’ manchmal eigenartige Pausen beim Spielen. Die Leute wundern sich, daß der skurrile Trainer-Typ mit dem komischen Schlagzeug so ein Pfund an Drum-Sound entwickeln kann, weil der optische Eindruck doch ganz andere Erwartungen weckt.

Wie kam es zu dieser Figur? Und wieso heißt es überhaupt „Der Trainer“?

Die Figur des Trainers ist mit mir auf der Bühne gewachsen. Anfangs ging es nur darum Schlagzeug zu spielen, denn damals paßte ich in dieses Comedy-Konzept noch überhaupt nicht rein und saß da eher dröge die ganze Zeit am Schlagzeug rum, währen die anderen Faxen machten. Der Durchbruch des „Trainers" kam per Zufall durch blödsinniges Rumkaspern. Ich setzte mir diesen Hut auf und diese Glasbausteinbrille und der Typ war geboren. Diese lustigen Comedy- Qualitäten hat man aus mir regelrecht herausgekitzelt, und mit der Zeit wurden meine Wortbeiträge entsprechend umfangreicher ...

... und du hast in dir ein weiteres natürliches Talent entdeckt?

Mir macht es einfach Spaß, eine solch skurrile Figur zu spielen. Das Wort „Trainer" aber kommt ja ganz woanders her und hatte mit dem „Affentheater" gar nichts zu tun. Denn ich war ein relativ guter Fußballer gewesen und gehörte zu den organisierenden Talenten für Mannschaftsturniere. Aber auch das war so richtig spaßmäßig — und bei ein paar Bieren wurde dann „Der Trainer" geboren.

Nun scheint der Spaß zu einer wirtschaftlichen Größe geworden zu sein. Hört nach dem Gig der Spaß auf?

Viele Freunde und Bekannte hielten es nicht für möglich, daß ich auf der Bühne solche witzigen Sachen mache. Ich bin privat eigentlich ein sehr ruhiger Mensch und lebe gern zurückgezogen. Wenn der Auftritt zu Ende ist, dann setz ich mich ins Auto, fahr nach Hause und guck Fernsehen. Ich muß einfach das Gefühl des Auftritts, die ganze Konzentration, den erhöhten Pulsschlag usw. langsam abbauen. Mit dem Auftritt hab’ ich hinterher gedanklich eigentlich kaum noch was zu tun. In dem Moment beginnt das Privatleben.

Du bist jetzt seit zehn Jahren Mitglied des Affentheaters. Gehörst du auch zu den Autoren?

Sagen wir mal indirekt, denn es können nicht alle gleichzeitig an der Ideenentwicklung beteiligt sein. Je weniger Autoren, desto effektiver ist die Arbeit. Unsere Zeit ist ziemlich knapp bemessen, es kommen mehr und mehr Termine hinzu, Aufritte, die ganze Promotion, Radiointerviews usw., und da muß man sehen, daß die wenige verbleibende Zeit auch wirklich genutzt wird. Insofern schreiben zwei Kollegen vom „Affentheater" plus ein Co-Autor in erster Linie die Stücke und Texte.

Meine Arbeit daran beginnt erst, wenn die neuen Ideen für die Bühne einstudiert werden. In dieser Situation sind alle gleichermaßen gefordert, um auch Texte und Inhalte den Darstellern anzugleichen. Auch werden die am Schreibtisch erdachten Witze auf ihre Bühnentauglichkeit hin überprüft und da fliegt so manches wieder raus, wenn Gefahr besteht, daß das Witzige auf der Strecke bleibt. Einen Spaß zu kreieren ist harte Arbeit!

Eure Songs bestehen ausschließlich aus neu getexteten Cover-Versionen?

Ja, wir holen aus einem Song die wesentlichen Bestandteile heraus, was bei einer Viermann-Besetzung auch nicht anders funktioniert. Während eines Musiktitels muß die Darstellung der Figuren natürlich weiterlaufen. Es würde keinen Sinn machen, wenn ich dann der ganz normale, coole Rock ‘n’ Roll-Drummer wäre.

Insofern gehört dein Drumset mit zur Figur?

Natürlich; stell’ dir vor ich hätte ein normales Rockschlagzeug mit XXL-Toms usw., das ginge schon von der Optik nicht. Wie sieht das denn aus?

Dein Equipment und der gigantische Aufbau mit 8" Tom, einem Crash-Cymbal, der undefinierbaren 20" Bassdrum, einer alten Ludwig Snaredrum und dem Floor-Tom ist in der Tat beeindruckend. Ist die zweckgebundene Zusammenstellung auch musikalisch begründet?

Früher hatte ich beim „Affentheater" ein eher normales Set. Aus meiner heutigen Sicht sah das richtig scheiße aus, weil es überhaupt nicht zu dem paßte, was auf der Bühne los war. Ich habe das Set dann reduziert auf wenige kleine Teile. Es mußte das Wesentliche her, was jetzt aus musikalischer Sicht und auch aus optischen Aspekten auf den Punkt gekommen ist.

Natürlich soll alles kurios aussehen und mit der Bassdrum war das ein Glücksfall, weil ich die im Keller eines Freundes gefunden hab’. Die Ludwig Snaredrum ist von den Snaredrums, die ich habe, einfach diejenige, die mir am besten gefällt. Sicherlich klingt die nicht sehr modern, aber wir brauchen auf der Bühne auch keinen Krachersound. Die Hi-Hat-Cymbals sind meine allerersten, sie klingen schön weich und die Toms sind auch ok. Das 16er Floor-Tom habe ich auch nur, weil ich in einem Song so’n speziellen Sechzehntel-Rhythmus spiele. Das Tom ist daher abgedämpft und klingt rein akustisch nicht so toll, aber der Techniker bekäme sonst ’ne Krise und über PA klingt’s super. Ich benutze also ein optisch und klanglich zweckmäßiges Setup.

Es geht nicht darum, was ich am liebsten spielen würde, das kann ich wunderbar zu Hause tun. Beim „Affentheater" geht’s um die Schlagzeuger/Trainer-Einheit. Wichtig ist auch, daß kleine und unauffällige Mikros am Set montiert sind, eine sichtbare Technik wäre also fehl am Platze. Von daher benutze ich auch keine Overhead-Mikros. Klanglich wäre das sicherlich besser, paßt vom Bild aber nicht zu dem schrulligen Typen, der hinterm Schlagzeug sitzt. Und von 1000 Leuten im Publikum sind eh nur drei Schlagzeuger und somit solche, die beurteilen könnten, ob jetzt die Bleche brillant rüberkommen oder nicht. Man soll lieber lachen!

Welches Verhältnis hast du zum aktuellen Drumbusiness?

Ich habe mich gesättigt in der Zeit, als ich mich viel mit Üben und Analysen des Schlagzeugspiels auseinandergesetzt habe. Irgendwann hatte ich damit aber auch die Faxen dicke. Ich kann heraushören, wann ein Schlagzeug gut klingt, egal ob das ein Vintage-Set ist oder eins der neuesten Kategorie, und wann jemand groovt oder nicht. Auch bin ich nicht mehr so beeinflußbar wie früher, sondern verfolge meine eigenen Ideen und Ziele und kann mit Musik viel souveräner umgehen. Entscheidend für mich ist, wie’s klingt.

Welche Zukunftspläne siehst du für dich?

Also, das mit dem Lehrer ist Gott sei Dank vorbei. Ich sehe das so, daß wir mit dem „Affentheater" auf einem klar aufsteigendem Weg sind, weil wir jetzt auch NRW verlassen. Aufgrund der Fernsehpräsenz von Herbert Knebel können wir sicher sein, daß auch in Frankfurt oder in Hamburg aus demStand mindestens 700 Leute zu uns kommen. Es gibt also genug zu tun und ich muß mir keine Gedanken darüber machen, was ich in zwei Jahren tun werde. Für mich ist diese „Trainer-Perspektive" langfristig ausgelegt.

EQUIPMENT

Drums:

  • 20"x16" Drum Mate Bassdrum
  • 8"x8" Yamaha 9000 Recording Custom Tom
  • 16"x16" Yamaha 8000 Tour Custom Floor-Tom
  • 14"x5" Ludwig Super Sensitive Snaredrum

Cymbals:

  • 17" Turkish Classic Crash
  • 14" A Zildjian Quick Beat Hi-Hat

Hardware:

  • Pearl Bassdrum-Pedal
  • Tama Hi-Hat-Pedal
  • Yamaha Tom-Stativ
  • Pearl Cymbal-Stativ

Sticks:

  • Vater Concert Modell
  • Pro Orca Mega Sticks

Mikrofone:

  • SM 57 (Snaredrum)
  • Ramsa WMS-5 (Toms)
  • AKG D 112 (Bassdrum)

Interview und Fotos: Tom Schäfer

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